Maulana Sheikh NazimDer Charakter eines Menschen bestimmt seine Umgebung
Unser Großscheich erzählte uns die folgende Geschichte über seinen Großscheich, Abu Ahmad as-Sughuri, möge Allah mit ihm zufrieden sein: « Mein Großscheich lebte in einem Dorf in Kaukasien. Als er eines Tages in der Nähe seines Hauses spazieren ging, sah er, wie eine Katze des Nachbarn Huhn einfing und mit ihm im Maul davonlief. Sofort sagte Abu Ahmad, möge Allah zufrieden mit ihm sein: „Inna lillahi wa inna ilayhi raji‘un!“ Dies ist ein Vers aus dem Qur’an (Baqara, 156), und es ist Sunna, ihn zu sagen, wenn uns eine schlechte Sache oder Betrübnis begegnet. Es bedeutet: Zu Allah gehören wir, und zu Ihm kehren wir zurück! „Seit wie vielen Jahre lebe ich schon in diesem Dorf ?“ dachte er, „bis jetzt sah ich niemals zuvor eine Katze ein Huhn angreifen. Ich muß dieses Dorf und diese Leute verlassen. Es kommt keine Barmherzigkeit hier herab.“ Er wanderte in ein anderes Dorf aus, das einen halbstündigen Fußmarsch entfernt war, und lebte dort für den Rest seines Lebens. Er sagte: „Wenn es in den Menschen keinen schlechten Charakter gäbe, würden alle Blüten an den Bäumen Früchte tragen, und keine einzige würde zu Boden fallen.“ »
Was hat diese Geschichte zu bedeuten? Warum verließ Abu Ahmad, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sein Haus, als eine Katze ein Huhn fraß? Er tat es, weil er wußte, daß der wilde und schlechte Charakter der Menschen eine Wirkung auf ihre Tiere hat. Die schlechten Eigenschaften der Menschen in jenem Dorf zeigten sich an ihren Tieren. Man konnte sehen, wie sie sich bei dieser Katze auswirkten, die bis dahin niemals je Hühner angegriffen hatte. Es ist ein wichtiges Zeichen; wenn der Charakter der Menschen gut sind, zeigt es sich in ihren Tieren. Wenn ihr Charkter schlecht sind, ist auch in ihren Tieren Schlechtes und Wildheit.

Salomon, der Friede sei auf ihm, traf eines Tages auf zwei kämpfende Hunde. Da ihm die Macht gegeben war, mit allen Geschöpfen zu sprechen, fragte er sie: „Warum kämpft ihr? Ihr seid Hunde, keine Menschen! Was von dieser Welt kann euch Grund sein, darüber zu streiten?“ „Ja, o Prophet“, antworteten die Hunde, „es ist, wie du sagst. Wir haben nichts von dieser Welt. Es sind die schlechten Eigenschaften unserer Besitzer, die du hier kämpfen siehst!“

Ihr könnt diese Qualität ebenso in Kindern sehen. Harte Leute werden wilde Kinder haben, wohingegen sanfte, freundliche Leute freundliche Kinder haben werden. Deshalb: Unsere guten und schlechten Eigenschaften haben eine ausdrückliche Wirkung auf alle, die um uns herum sind – unsere Familien, unsere Nachbarn und unsere Tiere. Wir müssen einen guten Anblick auf unsere Umgebung hinaustragen, nicht Dunkelheit. Als Abu Ahmad, möge Allah mit ihm zufrieden sein, diese Katze in wilder Art agieren sah, wußte er, daß die Charaktere der Menschen im Dorf nicht gut waren und daß es für ihn Zeit war, fortzugehen. Es liegt auch an dem schlechten Charakter der Leute, daß die Blüten verwelken und absterben, ohne Frucht zu tragen, und Insekten sie befallen.

Wie viele Medikamente und Chemikalien sind in diesen Zeiten notwendig, um etwas wachsen zu lassen! Wäre der Charakter der Menschen gut, bedürfte es nicht all jener Dinge. Jetzt haben wir das 20. Jahrhundert. Die Menschen sind stolz auf ihr Gelehrtsein und ihre Technologie. Aber ursprünglich, vor all den modernen sogenannten Verbesserungen, empfanden die Menschen das Leben als leichter. All die Dinge, die das Leben leicht machen, waren griffbereit.

Diese Zufriedenstellung ist jetzt verloren. Heute ist es unmöglich, irgendwelche guten Leute zu finden. Überall wächst der schlechte Charakter. Deshalb müssen wir darum kämpfen, unseren schlechten Charakter auszulöschen, auszuwischen (mahw). Je mehr wir unseren schlechten Charakter auswischen, um so mehr Glück wird an diesen Ort kommen. Heutzutage kommt keine Glückseligkeit herab. Solch schmutzige Orte! Überall ist Grausamkeit. Du kannst nicht einen Platz finden, auf den du hintreten könntest! Diese Welt ist mit wilden Charakteren angefüllt, die eine Kraft sucht, alle Menschen zu entfachen. Solche schreckliche Waffen. Es ist ein Zeichen! Wenn keine Barmherzigkeit herabkommt, bedeutet das, daß es dort keine guten Charaktere gibt. Gute Charaktere leben in Meeren der Barmherzigkeit Allahs des Allmächtigen. Ohne Glauben an unseren Herrn gibt es keinen guten Charakter oder Barmherzigkeit bei den Menschen. In den Herzen der Ungläubigen ist nicht die geringste Barmherzigkeit zu finden. Heute erhielt ich einen Brief.

In ihm war ein Zeitungsausschnitt, vielleicht vom London Daily Telegraph. Darin steht, wie der Marxismus 143 Millionen Menschen getötet hat: 65 Millionen in Rußland von 1917 bis 1959, 63 Millionen in China! An anderen Orten, insgesamt 143 Millionen! Denn der Marxismus leugnet alle Propheten, alle Religionen und alle heiligen Dinge, in ihnen ist keine Barmherzigkeit zu finden. Marxisten haben keine Barmherzigkeit für andere Menschen, nicht einmal sich selbst gegenüber. Keine Barmherzigkeit gibt es im Marxismus! Wie wir sagten, gute Charaktere leben nur in Meeren der Barmherzigkeit, wo es Glauben an Allah den Allmächtigen gibt. Deshalb müssen wir darauf achten, daß die Barmherzigkeit in unseren Herzen wächst. In dem Maße wie deine Barmherzigkeit wächst, näherst du dich Allah.

Abu Yazid al-Bistami, möge Allah seine Ehre vermehren, betete zu seinem Herrn: „O mein Herr! Du hast Macht, Du kannst alles tun! Ich bitte Dich, meinen Körper größer und größer werden zu lassen, bis er Deine Hölle zur Gänze ausfüllt, so daß dort kein Platz mehr bleibt, irgend jemand anderen noch dort hineinzuwerfen! Nimm sie ins Paradies und gib mir die Strafe!“ Wenn dein Glaube wächst, wächst deine Barmherzigkeit. Alle Heiligen haben in ihren Herzen Meere der Barmherzigkeit. Ein anderer sagte: „O mein Herr! Mache mich zu einer Brücke über die Hölle, daß Deine Leute über mich das Paradies erreichen mögen!“ Derart ist es. Sollte einem von ihnen Erlaubnis zur Fürsprache, shafa’a’, am Tag des Jüngsten Gerichts gegeben worden sein, werden sie nicht einen Menschen in die Hölle gehen lassen! Dies ist die Bedeutung von iman, Glauben.

Wenn einer sagt: „Ich bin ein Gläubiger“, und hat keine Barmherzigkeit, ist er ein Lügner. Ohne Barmherzigkeit kein iman. Das größte Meer der Barmherzigkeit ist für unseren Propheten, der Friede sei auf ihm. Er wurde als eine Barmherzigkeit für alle Wesen, für das gesamte Universum, gesandt. Ein jeder wird seine Taten am Tag des Gerichts sehen, ob sie in den Himmel oder in die Hölle gehen. Dann wird Allah entscheiden. Er kann tun, wie Er will. Der Allmächtige ist nicht verpflichtet, zu verzeihen oder zu bestrafen. Er kann, wenn Er will, einem jeden verzeihen.

<b>„Wie sieht es mit dem Mann aus dem Qur’an, Abu Lahab, und seiner Frau aus?“ fragte einer der Brüder. „Verspricht Allah nicht Bestrafung für sie?“ </b>

Diese Verse (Sure Lahab) wurde nur als eine Warnung geschickt, so daß die Leute nicht handeln mögen wie Abu Lahab. Allah der Allmächtige will jedem Seiner Diener am Tag des Jüngsten Gerichts zeigen, was er mit seinem Leben getan hat. Aber Er, der Allmächtige, ist frei, Barmherzigkeit zu geben, wie es Ihm beliebt. Die Umma, die Gemeinde, eines Propheten, ist diesem Propheten näher als Kinder ihren Eltern nah sind. Angenommen, du hast einhundert Jungen, neunundneunzig wären bei dir, einer aber wäre im Gefängnis, wärest du glücklich? Nein! Denn einer von ihnen erleidet Bestrafung. Selbst wenn einer von eintausend leidet, ist dein Herz mit dem, der leidet. Daher wird unser Prophet, der Friede sei auf ihm, beim Eingang zum Paradiese stehen. Wie könnte er Freude haben im Paradies, wenn seine Gemeinde in der Hölle ist! Wie?! Er wird beim Eingang stehen, und wenn Allah der Allmächtige spricht: „Tritt ein, o Muhammad!“, so wird er sagen: „O mein Herr! Ich kann nicht eintreten, bevor nicht meine Gemeinde eintritt.“ Er wird dann schauen: „Eins, zwei, drei, vier ...“, und sollten irgendeinige fehlen, wird er sagen: „O mein Herr! Ich kann nicht eintreten!“

<b>„Maulana, wer ist die Umma? Wer wird zu ihnen gezählt werden am Tag des Gerichts?“ </b>

Er, der Allmächtige, weiß. Seid nicht beunruhigt, Europäer zählen ebenso zu seiner Gemeinde. Amerikaner ebenso, Russen ebenso, Chinesen ebenso, Hindus ebenso, Schwarze ebenso; alle sind von seiner Gemeinde! Der Prophet, der Friede sei auf ihm, sagt: „Wenn mir Erlaubnis gegeben wird, werde ich nicht einen zurücklassen!“ Versteht ihr? Du kommst nach Hause mit deiner Hundertschaft Jungen, auf ihren Pferden reitend, den Palasttoren entgegenkommend. Du hältst an und zählst: „Dreißig, fünfzig, einhundert Jungen.“ Wenn du siehst, daß sie alle sicher darinnen sind, wirst du die Brücke überqueren und hinter dir zuschließen. Nicht einen, zwei oder zehn wirst du draußen lassen. Nein! Besonders wenn sie kleine Jungen sind. Vater wird kommen und die kleinen Jungen zuerst hereinholen, dann wird er eintreten. Ja? Sehr viele gute Nachrichten für uns. Wir sind wie kleine Jungen. Wir brauchen keine Sorge zu haben. – Ihr seid große Jungen? Masha’llah!

- 01.01.1979
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