Maulana Sheikh NazimÜber das Gebet
Der Prophet (s.a.s.) sagte: „Von dreien wird das Gebet nicht angenommen: vom entlaufenen Sklaven, von der Frau, die stirbt, während ihr Ehemann zornig mit ihr ist, und von dem Mann, der die Gebete leitet, aber von denen, die er führt, nicht gemocht wird.“ Aus diesem Grund ist es so, daß, wenn ich irgendwo zu Besuch bin und sehe, daß einer nach vorne geht, um die Gebete zu leiten, dem die Leute nicht gern folgen wollen und sie mich vorziehen, daß ich dann das Tarawih-Gebet leiten muß und ich die Leute dabei mit größter Geschwindigkeit führe. Nach dem Tarawih-Gebet sagte Maulana: Sind jenen, die acht Raka‘at Tarawih beten, zwanzig zu viel für Allah? Zwanzigtausend wären noch zu wenig. Im Koran heißt es: Wa ma khalaqtu l-jinna wa l-insan illa liya‘ budun – Und nicht erschuf ich die Jinn und die Menschen, als daß sie Mir dienten. (51:56)* Nach acht Raka‘at sagen sie sich: Mehr nicht, das wäre zu viel. Sie werden müde. Müde. Aber vor ihrem Fernseher könnten sie Stunden um Stunden verbringen, ohne zu ermüden. Täglich widmen sie 23 Stunden ihrer Zeit ihrem Nafs, die Zeit aber, die sie dem Gebet tags und nachts über widmen, zusammengenommen, kommt auf vielleicht eine Stunde. Die letzte Ausrede derer, die acht Raka‘at beten, ist, daß sie faul sind. Und sie haben eine Ähnlichkeit mit den Munafiqun aus dem Heiligen Qur’an (4:142): Inna l-munafiqin yukhadi‘una llaha wa huwa jadi‘uhum wa idha qamu ila ss-ssalawati qamu kusala yura’una n-nasa wa la yadhkuruna llaha illa qalil Die Heuchler versuchen, Gott zu betrügen; Er ist es aber, der sie betrügt. Und wenn sie sich zum Gebet hinstellen, stellen sie sich nachlässig hin, wobei sie von den Menschen gesehen werden wollen, und sie gedenken Gottes nur wenig. Wenn sie sich aufstellen zum Gebet, geben sie sich faul. Über Faulheit und Unwillen spricht der Qur’an (9:54): Wa ma mana‘ahum an tuqbala minhum nafaqatuhum illa annahum kafaru bi-llahi wa bi-rasulihi wa la ya’tuna ss-ssalawata illa wa hum kusala wa la yunfiquna illa wa hum karihun Und nichts anderes verhindert, daß ihre Spenden von ihnen angenommen werden, als daß sie Gott und seinen Gesandten verleugnen, nur nachlässig zum Gebet hingehen und nur widerwillig spenden. Und ein Hadith schließlich lautet: Man tashabbaha bi qaumin fa huwa minhum – Wer immer ein Volk nachahmt, der ist von ihnen. Wie können sie es wagen, fünfzehn Jahrhunderte übereinstimmender Meinung der Umma über zwanzig Raka‘at und die Sunna des Propheten (s.a.s.) aufzugeben, der sagte: „Ihr müßt meiner Sunna folgen und der Sunna der rechtgeleiteten Kalifen nach mir.“? Ist dieses Hadith ssahih, richtig, oder nicht? Sie antworteten: sahih! Wenn sie Leute zwanzig Raka‘ at beten oder sie mehr Zeit im Gebet verbringen sehen, sagen sie: „Bid‘a“ (Neuerung), aber sie haben keinen Einwand dagegen, selber Stunden um Stunden mit Fernsehen zu verbringen – das ist ihnen keine bid‘a. Sie haben kein Recht, so etwas zu sagen, wo der Prophet (s.a.s.) uns befahl, bei der größten Menge zu bleiben, der Sawad al- A‘zam („das größte Schwarz“; die Mehrheit der Bevölkerung). Und der Sawad al-A‘zam betet seit fünfzehn Jahrhunderten zwanzig Raka‘at. Wie können sie es wagen, sich dem entgegenzustellen? Ich werde Allah bitten, sie alle zu entfernen, daß sie das nächste Jahr nicht erreichen. Sayyiduna ‘Ubaydullah Ahrar – qaddasa llahu sirrah, möge Allah sein Geheimnis heiligen – sagte: „Wer auch immer ermüdet und aufhört, ist nicht von uns.“ Er bedeutet uns die Wegreisenden (as-salikun). Das Kennzeichen der Faulheit ist, daß sie müde werden. Wie auch immer, wir setzen unseren Weg zu unserem Herrn fort. Der Diener muß immer auf dem Weg zu seinem Herrn sein. La budda mina l-suluk. (Es ist unvermeidbar, zu folgen.) Allah erschuf die Menschheit in bester Weise, dann kehrte er sie zur niedrigsten Existenz – (thumma radnahu) asfala safilin (95:5) – dann haben Wir ihn in den niedrigsten der niedrigen Stände gebracht. Dies ist die weltliche Existenz. Es gibt keine niedrigere Existenz als die dieser Erde, diese wertlose Welt, ad-dunya ad-dani’a. Aber jenen, die glauben und gute Werke tun – falahum ajrun ghairu mamnun (95:6), für sie ist unermeßlicher Lohn bereit –, ihre Existenz ist süß. Jene aber, sie haben diese üble Welt vorgezogen. Ein Mensch mag Kammern voller Gold, Silver und kostbarer Edelsteine haben. Oder Häuser oder ganze Häuserblocks oder eine ganze Stadt damit angefüllt haben, was alles ihm gehört. Noch in derselben Nacht, da er gestorben ist, werden seine Erben ihm die Ringe von den Händen herunterziehen. Wenn es eine Frau ist, werden sie ihr die Armbänder, Halsketten und Ohrringe abnehmen. Sie können nichts von all dem behalten, was sie zuvor besessen haben. All das ist für die Lebenden. Die Erben werden selbst noch bedauern, daß sie die Laken wegwerfen müssen, in der die Person gestorben ist. Sie werden sich gegenseitig vorwerfen: „Warum riefst du nicht früher den Krankenwagen, als du die Zeichen des bevorstehenden Todes sahst, damit er noch ins Krankenhaus gefahren worden wäre?“ Das ist dunya, die Welt. In den USA brachten sie mich in ein großes Hotel. Als ich danach fragte, wieviele Sterne das Hotel hätte, antworteten sie: „Für diesen Anlaß gibt es nicht Sterne genug, die Sterne sind für dich. Wenn es für dich fünf sind, so möchten es für uns fünfzehn sein. Uns reicht der Name.“ Und ich schaute auf die Müllsammler und die Gepäckträger des Hotels, die hereinkamen und hinausgingen. Sie waren willkommen, niemand störte sich an ihrem Kommen und Gehen. Dann dachte ich: Wenn der Eigner dieses riesigen Hotels in seinem Zimmer ganz oben sterben würde, was würden sie tun? Würden sie ihn dort lassen? Nicht einen Augenblick lang. Er wäre unwillkommen. Sie würden ihn umhüllen und hinunternehmen – durch den Fahrstuhl? Niemals. Nicht einmal durch den Treppenaufgang, sondern über die Feuerwehrleiter. Und wenn es die nicht gibt, würden sie ihn mit einem Seil oder Laken festbinden und ihn langsam vom Fenster aus herunterhieven, so daß es niemand sehen könnte. Und sähe es jemand, sie würden ihm sagen: Das sind Wassermelonen – batikh. Sie wollen nicht, daß man glaubt, irgend jemand sei dort gestorben, denn sie könnten sagen: „Vielleicht sterben wir ja auch hier“, und sie würden das Hotel verlassen. Sie wollen nicht, daß ihre Vergnügen vertrieben werden. „Erinnert euch des Vernichters der Vergnügen“, sagte der Prophet (s.a.s.), und meinte den Tod. Allah hat mir die Paläste der Sultane und der Könige gezeigt, er hat mich nah zu ihnen gebracht und mir erlaubt, ihre Lebensweise zu sehen. Aber, al- hamdu lillah, hat sich mein Herz nicht einen Augenblick lang dem zugeneigt. Alles, was ich empfand, war, daß das meiste davon nutzlos ist. Möge Allah die Liebe zur Dunya aus unseren Herzen nehmen und Sehnsucht nach den Reichtümern und Herrlichkeiten des Akhira, des Jenseits, erwecken. Allah allah, allah allah, allah allah, ‘aziz allah allah allah, allah allah, allah allah, karim allah allah allah, allah allah, allah allah, subhan allah allah allah, allah allah, allah allah, sultan allah. O Allah, wir sehnen uns nach Deinem Sultanat. Bitte um Sein endloses Sultanat, denn er ist der Sarmadi Sultan, ewiglich. Bi hurmati l-habib, bi hurmatil fatiha
Damaskus - 07.12.2000
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