Maulana Sheikh NazimDas Streben nach „Freiheit“
Wir haben immer wieder sohbet, Versammlung mit dem Sheikh oder einer von ihm autorisierten Person, nötig. Diese Zusammenkunft korrigiert den Menschen, wenn er sich auf einen falschen Weg begeben hat; sie läßt ihn nicht weiter auf dem falschen Weg gehen. Das ist ein ausgleichender Faktor für das Leben eines Menschen. Wer dieses Mittel zum Ausgleich und zur Korrektur nicht hat, dessen Leben ist ohne Disziplin, das heißt, er hält sich an keine Regeln. Dabei hat der Herr uns damit geehrt, daß wir Seine gesegneten Diener sind und daß er uns zu seinen Stellvertretern gemacht hat. Wenn jemandem Ehre gegeben wird, so wird ihm damit auch eine entsprechende Verantwortung aufgegeben. Solange er sich an seine Verantwortung hält, bleibt er in Ehren. Wenn er der Verantwortung aber nicht gerecht wird, wird ihm jene Ehre entzogen. Wenn man Allâhs Gebot einhält, so bewahrt man damit seine Ehre. Wenn jemand die von Gott gesetzten Grenzen verläßt und sich Seinen Geboten verweigert, bedeutet das, daß diese Person die Ehre ablehnt, die ihr durch das Einhalten jenes Befehls gewährt würde. Jeder Befehl, den man einhält, gibt einem eine gewisse Ehre. Göttliches Licht und Ehre trägt jeder Befehl in sich. Wer den Befehl nicht einhält, lehnt damit die Ehre und das Licht ab, die ihm vom Herrn gegeben würden.
Alle Propheten kamen zu dem Zweck, den Menschen die Bedeutung des Dienens verständlich zu machen und welche Ehre es mit sich bringt, gehorsam zu sein. Sie warnten die Menschen davor, ungehorsame Diener zu sein, da ihnen dadurch ihre Ehre und Licht weggenommen würden. Am Tage des Jüngsten Gerichts wird ein Teil der Menschheit hell erleuchtet und mit Ehren bekleidet erscheinen, und die zweite Gruppe wird in Dunkelheit ohne Licht und ohne Ehre auftreten, sie werden so schlecht und häßlich aussehen, daß jeder, der sie ansieht, wünschen wird, er hätte niemals hingesehen. Die gesamte Menschheit wird in diese zwei Gruppen aufgeteilt sein: die einen erleuchtet und geehrt, die gehorsamen unter den Dienern, die die Ehre angenommen haben, die ihnen angeboten wurde, und die zweite Gruppe jener, die die Ehre und das Licht abgelehnt haben. Unser größter Feind versucht ohne Unterlaß, die Menschen dazu zu bewegen, daß sie jene Ehre verstoßen, die Allâh nur ihnen allein gewährt hat, und nicht einmal den Engeln. Als dieser unser Erzfeind selbst diese Ehre verloren hatte, beschloß er, auch die Menschheit daran zu hindern, zu dieser Ehre zu gelangen. Der größte Unruhestifter durch die Jahrhunderte auf diesem Planeten versucht von Anfang der Menschheit an bis zu ihrem letzten Tag auf Erden, sie zu veranlassen, ihre Ehre zu verlieren. Und viele von ihnen weigern sich, gehorsame Diener zu sein. Sie lehnen die Ehre ab, die die göttlichen Anordnungen mit sich bringen würden.

Alle Unruhen und Schwierigkeiten, Kriege und Kämpfe haben ihre Ursache in jenem Ungehorsam, daß sich die Menschen nicht an die göttlichen Befehle halten. Wenn sie die ihnen gesetzten Grenzen verlassen, bestraft Allâh sie mit Schwierigkeiten und Leiden. Jede Unruhe und Störung hat ihre Ursache in einer Partnerschaft, die das Ego mit Shaitân eingegangen ist. Das Ego ist niemals glücklich damit, sich an heilige Befehle zu halten. Es wird immer zu dir sagen: „Tu das nicht, gehorche nicht dem Befehl, sei frei!“ Das ist der Ratschlag, den Shaitân dem Ego zuflüstert, und das Ego sagt zu sich selbst: „Du mußt frei sein, so frei wie du nur kannst, sei frei!“ Das Ego verlangt unerläßlich nach mehr Freiheit und verursacht damit mehr und mehr Schwierigkeiten. Grenzenlose Freiheit verursacht endlose Probleme.

Jetzt in unserer Zeit verlangen die Leute nach mehr und mehr Freiheit, und doch ist es eine besondere Erscheinung unserer Tage, daß wir mehr Gesetze haben als es je zuvor gab. Tausende und aber Tausende von Gesetzen in Hunderten von Gesetzbüchern, die so groß und dick sind wie Kopfkissen. Je mehr die Menschen nach Freiheit streben, desto mehr Gesetze werden verfaßt. Welch göttliche Weisheit! Und dabei will Allâh selbst die Freiheit für die Menschen. Er will sie frei machen von ihren Egos. Wirkliche Freiheit ist es, frei vom Ego, seinem niederen Selbst, zu sein. Sobald das Ego dich packt und nach Freiheit schreit, ist es aus mit der wirklichen Freiheit, denn es macht dich zum Sklaven deiner niederen Begierden und von Shaitân. Wenn ein Mensch vom Ego und Shaitân gefangen worden ist und ein Sklave in ihren Händen ist, lassen sie ihn nach mehr und mehr Freiheit schreien, und er fällt damit immer tiefer in ihre Fallgrube. Die zig Tausende von Gesetzen bezeugen die Sklaverei der Menschheit, sie sind keineswegs ein Zeichen der Befreiung. Jedes neue Gesetz ist eine neue Fessel.

Wenn ein kleines Insekt in die Nähe eines Ameisenloches gerät, kommen viele Ameisen und umzingeln es. Tausende von Gesetzen geben dem Ego keine Chance, frei zu sein. Es gibt keine Freiheit für Sklaven von Shaitân und dem Ego. Allâh hat die Freiheit nur für Seine Diener bestimmt, denn sie wollen nur für Ihn da sein, nicht für sich selbst. Entscheidet euch, ihr habt die Wahl, Diener von Allâh zu sein oder Sklaven von Shaitân. Es gibt nur die beiden Möglichkeiten. Der Hauptzweck einer jeden Versammlung, sohbet, ist immer, die Zuhörer aufzuwecken, sie aus dem schlaftrunkenen Zustand herauszuholen. Ihr müßt verstehen, wo die wirkliche Freiheit liegt und wie ihr sie erlangen könnt und wo die Sklaverei lauert und wie ihr euch davor schützen könnt.

Jedes heilige Buch und jeder Prophet lehrte, wie ihr euch vor eurem Ego schützen könnt, das immer versucht, euch zu erlegen. Seid sehr vorsichtig, denn der Teufel benutzt so viele Tricks und stellt so viele Fallen. Wenn ihr betrunken seid, mag er euch fangen. Die sohbet hilft uns und bringt immer neues und besseres Verständnis mit sich. Seid mit Allâh und haltet euch an Seine Gebote, dann werdet ihr wirkliches Glück und Wohlgefallen erreichen. Wer Allâhs Weg verläßt, findet kein Licht, nur Dunkelheit. Möge Allâh uns vergeben und uns bereit dafür machen, allen Seinen Befehlen ohne den geringsten Widerstand zu gehorchen. Er bietet uns durch Seine Anordnungen an, von Seinen Göttlichen Gnaden zu schöpfen. Strebt nach Seiner Gnade, lauft nicht den Teufeln hinterher.

- 01.01.1992
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