Maulana Sheikh NazimDie schöne Verpackung des Üblen
Bismillahi Rahmani Rahim Am Montag, dem 28. Rajab 1422, nach dem Mittagsgebet besuchten zwei junge Soldaten Maulana Scheikh Nazim. Der Scheikh richtete sich an sie stellvertretend für alle jungen Leute und alle anderen, die es interessiert, etwas über die Welt von heute und darüber zu erfahren, wie das Schlechte, in schöner Verpackung präsentiert, die Menschen betrügt: Die Welt von heute ist nicht die Welt von gestern. Wenn du morgen die Welt von heute suchst, kannst du sie nicht mehr finden, sie ist vergangen. Die Welt von morgen ist wieder eine andere Welt. Jeden Tag ist die Welt eine andere. Es gibt keine zwei Tage, die gleich wären – alles ist ständig im Wandel. Die Zustände der Menschen unterscheiden sich von Tag zu Tag. Jeder Tag bringt Gutes und Schlechtes. Er bringt Gutes oder Schlechtes, und der Mensch kann das Gute oder das Schlechte wählen. Wer Verstand besitzt, wählt das Gute, wer keinen Verstand hat, wählt das Schlechte. Etwas anderes gibt es nicht! Wer seinen Verstand benutzt, profitiert von jedem Tag, er macht jeden Tag Gewinn, wer seinen Verstand nicht benutzt, erwirbt zur Strafe dafür jeden Tag Übles. Bevor er ins Jenseits geht, vergehen so die Tage in dieser Welt. Deshalb ist es wichtig, sehr genau darauf zu achten: „Habe ich etwas von dem Guten des heutigen Tages genommen, oder habe ich mich von seinem Schlechten bedient?“ Jede Nacht ist es empfohlen, daß man darüber nachdenkt, während man seine Pläne für den kommenden Tag macht: „Daß ich nicht wieder in Schlechtigkeiten hineinfalle! Heute habe ich verloren, aber morgen will ich gewinnen!“ Ihr seid Soldaten. Beim Soldatsein gibt es Gutes und Schlechtes. Ihr seid von zuhause weg, dabei gibt es Gutes und Schlechtes. Überall, an jedem Ort, gibt es beides. Wenn du die Hand ausstreckst, kannst du Gutes nehmen, oder du kannst die Hand nach Schlechtem ausstrecken. In allen geoffenbarten heiligen Schriften kommt dies klar zum Ausdruck. Jeder Tag ist voll damit. Gutes kommt herab, und Schlechtes kommt herab. „Nimm!“ wird gesagt. „Komm und nimm!“, dabei ist das Schlechte, das Üble, das, was Haram ist, aufs schönste verpackt. Sie machen ausgezeichnete Verpackungen, überall findet man glänzende Werbung. „Wann fällst du endlich auf uns herein?“, scheint sie uns zuzurufen. Das Haram, das Schmutzige, ist verdeckt, wohlverpackt und schön verkleidet. Ich will euch dazu eine Geschichte erzählen. Dies ist eine Geschichte, wie man sie in Büchern findet. Es gibt unzählige Geschichten. Es gibt solche, die in Büchern stehen, und es gibt unzählige, die niemals niedergeschrieben wurden. Streite nicht darüber, ob das, was da erzählt wird, stattgefunden hat oder nicht! Es ist sinnlos. Nimm es, so wie du es hörst! Es gibt kaum etwas in dieser Welt, was nicht geschehen ist, doch nur wenige hören davon. Für die, die hinhören, ist diese Welt riesengroß – was alles in 24 Stunden geschieht und entsteht und bleibt. Zeitungen mögen darüber berichten, Hefte könnten damit vollgeschrieben werden, Bücher darüber verfaßt werden, bis dieses ganze Haus randvoll wäre – so viele Dinge geschehen, soviel passiert mit den Menschen, soviel, soviel! Doch nun zu unserer Geschichte, die eine Art Gleichnis ist: Vor langer Zeit packte ein merkwürdiger Mann zwei lederne Säcke auf seinen Esel und füllte diese Säcke – womit er sie füllte, werdet ihr später erfahren. Nachdem er sie gefüllt und auf seinen Esel geladen hatte, sagte er: „Diese Last werde ich dem König im Lande Filan bringen. Er liebt die Wohlgerüche. Ich werde sagen, es sei Moschus und Amber. Er hat Geld genug. Ich werde es ihm verkaufen und guten Profit machen.“ So machte er sich auf den Weg zum Schloß, und als er sich den Mauern des Schloßes näherte, rieb er die Säcke mit schwerduftendem Moschus und Amber ein. Die Wachsoldaten am Tor wunderten sich: „Welch herrlicher Geruch! Woher kommt nur dieser wunderbare Duft?“ Und sie fragten den Mann: „Was bringst du da?“ „Ich bringe unserem Sultan Moschus und Amber, zwei ganze Säcke voll.“ „Dieser herrliche Geruch, der uns betört, ist bestimmt etwas für das Schloß, unser Herr liebt solche Düfte, wir müssen ihn sofort informieren“, sagten die Wächter und ließen den Mann ein. „Seid äußerst vorsichtig mit den Säcken, daß sie auf gar keinen Fall beschädigt werden!“ sagte der Mann, „behandelt sie mit größter Behutsamkeit, keiner darf sie anfassen. Bringt sie unverzüglich in die Schatzkammer unseres Sultans und öffnet sie erst nach drei Tagen. Wenn der Sultan dann kommt, wird der Duft noch viel, viel stärker sein als jetzt. Ich bin Spezialist für diese Düfte, die Säcke müssen unbedingt drei Tage ruhen, damit der Duft reifen kann. Das sage ich euch als einer, der sich mit diesen Wohlgerüchen auskennt wie kein anderer, ich bin der weltweit anerkannt größte Kenner in diesen Dingen, also tut genau, was ich euch sage. Nach drei Tagen soll der Sultan mit seinem Gefolge kommen, jetzt duftet es noch nicht so richtig, aber nach drei Tagen wird der Wohlgeruch das ganze Schloß erfüllen. Leert die Säcke also keinesfalls vorher aus, sondern erst in drei Tagen!“ Entsprechend den Anweisungen des Mannes wurden die beiden Säcke behutsam in die Schatzkammer des Sultans gebracht. „Ich habe euch erklärt, was ihr zu tun habt“, sagte der Mann, „ich werde zurück nach Hause reiten. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die beim Sultan ihre Zeit verbringen, ich muß weiter. Was immer ihr im Namen des Sultans als angemessene Bezahlung betrachtet, ich werde damit zufrieden sein. Natürlich, die Säcke sind randvoll, sie haben also schon einen gewissen Wert. Mir bleibt nur mein Esel, um darauf zurückzureiten.“ Nachdem er seinen Lohn entgegengenommen hatte, setzte er sich auf seinen Esel und ritt, klack-klack, klack-klack, klack-klack, klack-klack, mit seinen Beinen an beiden Seiten herabbaumelnd, davon. Nach drei Tagen versammelte sich im Schloß der gesamte Hofstaat, der Padischah, die Wesire, die Höflinge und Diener. Der ganze Raum war erfüllt mit wunderbarem Wohlgeruch von Moschus und Amber, der von den beiden Säcken ausging, die, immer noch ungeöffnet, in der Mitte des Saales standen. Nachdem sich alle niedergelassen hatten, ordnete der Sultan an, die Säcke zu öffnen. „Öffnet erst nur den einen und dann erst den zweiten Sack!“ befahl der Sultan. Als der erste Sack ausgekippt wurde, entströmte ihm ein übelriechender Fäkaliengestank, der sofort den ganzen Raum erfüllte. Der Sultan war vollkommen überrascht und erschrak fürchterlich. „Was ist denn das, wie konnte so etwas nur passieren?“ riefen entsetzt die Wesire und Höflinge. Es stank entsetzlich. „Wer hat diesen Betrug ausgeheckt? Wo ist der Verbrecher?“ schrie der Sultan voller Wut, „schickt Reiter aus, um ihn zu fangen. Wer war das? Hinter welcher Maske hat er sich versteckt? Wohin er sich auch verkrochen hat, ihr müßt ihn finden! Wer uns solch widerlichen, schmutzigen Gestank gebracht hat und uns damit das ganze Schloß verpestet hat, kann kein Mensch sein, er muß ein Schaitan in Menschengestalt sein. Es kann gar nicht anders sein, einen solchen Betrug, der uns solchen Schaden zufügt, kann nur ein Teufel in Menschengestalt ersonnen haben. Welch ein ekelhafter Schmutz, welch ein widerlicher Gestank!“ Weshalb erzähle ich euch das alles? Weil es ein Gleichnis für das ist, was heute überall geschieht. In jeder Reklame wird uns das Schmutzige, das Haram, in fröhlich strahlender, glänzender Verpackung präsentiert. In der Presse, im Kino, auf Video, überall wird es gezeigt. Jetzt auf einmal wird es ein paar Leuten klar, und sie verbieten ein paar schmutzige Filme (nach den Anschlägen in Amerika wurden einige Katastrophen-Filme verboten). Wenn ihr nur den Fernseher einschaltet, findet ihr überall diesen Dreck, diesen Schmutz, überall diese ekelhafte Werbung – aber wie dreckig, wie schmutzig, fragt nicht, es ist unbeschreiblich! Die Zeit, in der wir leben, ist eine Zeit, in der alle in diesem Dreck, in diesem Schmutz versinken. So sehr du auch versuchen magst, deine Kleider hochzuraffen, kommt doch immer etwas von diesem Schmutz daran. Alle, egal ob einfache Leute oder Regierungskreise, ob jung oder alt, alle werden von diesem fröhlich strahlenden, glänzend verpackten Schmutz und Haram, das die Teufel in Menschengestalt verbreiten, erfaßt. Wer nur zuhause bleibt oder nur seiner Arbeit nachgeht und nachts nicht ausgeht, ist vielleicht etwas weniger gefährdet, aber alle anderen gehen unter in diesem Dreck. Haltet euch fern von diesem Schmutz! Es gibt so viele, die versuchen, euch zu betrügen. Schaitan winkt einmal mit dem Zeigefinger, und schon springen alle jungen Leute auf. Mit alten Leuten wie mir kann er nicht mehr viel anfangen, deshalb sucht er sich die Jugendlichen aus. Für Fitna und Schlechtigkeiten werden immer junge Leute gesucht. Später einmal fragen sie sich dann: „Was haben wir für wahnsinnige Dinge angestellt? In welchen Schmutz sind wir da geraten? In welchem Dreck haben wir uns gewälzt? Wir haben Dreck gegessen, getrunken, uns damit vollgesogen.“ All dies wird ihnen dann bewußt werden. So viele werden sich fragen: „Was hab’ ich nur getan? Wie dumm und unwissend war ich nur!“ Schaitan selbst hat es einmal deutlich gesagt: Er kam in die Gegenwart von Allahs Gesandtem – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden –, und Allah hatte ihm befohlen, die Fragen des Propheten wahrheitsgemäß zu beantworten. „O mein Geliebter, er wird dir Rede und Antwort stehen, Ich selbst habe es ihm befohlen“, ließ Allah den Propheten wissen. „Wenn du ihm nicht wahrheitsgemäß antwortest, verwandle Ich dich in Asche und laß’ dich nie wieder in die Existenz zurückkehren!“ hatte Allah Schaitan durch seine Engel angedroht. „Wenn ich diesem Befehl nicht gehorche, kann ich nie wieder Leute in die Hölle bringen“, sagte sich Schaitan. Als er dann also in die Gegenwart von Allahs Gesandtem kam – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – fragte ihn dieser: „Wer ist dein größter Feind?“ „Du bist es, o Muhammad, du bist mein größter Feind!“ sagte er. „Und nach mir, wer ist dein zweitgrößter Feind?“ fragte der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. „Junge Leute, die Gottesdienst verrichten und dem Weg Allahs und Seines Gesandten folgen, sie sind meine Feinde, eine Stufe unter der deinen, denn junge Leute kann ich sonst leicht um den Finger wickeln.“ Deshalb ist es so wichtig, daß besonders junge Leute dem Weg Allahs ihre ganze Aufmerksamkeit widmen. Wer sein Ego unter Kontrolle bringt, ist ein richtiger, ein ganzer Mensch. Deshalb ist dies so wichtig. Wer Schaitan in jungen Jahren widersteht, erlangt eine hohe Stufe. Nach dem Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – gebührt die höchste Stufe denen, die ihre Jugend im Gottesdienst verbracht haben. Nehmt vom Guten, soviel ihr nur ergreifen könnt. Schmutz und Haram fließen in Strömen wie das Abwasser in der Kanalisation. Die Menschen des 21. Jahrhunderts sind wie die Ratten in dieser Kanalisation. Wie Kanalratten, die fetter sind als Katzen, die Katzen laufen vor ihnen davon. Sie genießen es, im Abwasser umherzutollen, hineinzuspringen und darin zu baden. Dort fühlen sie sich wohl und können treiben, was sie wollen. Diejenigen, die weiter in dieser Art leben wollen, sagen: „Kommt, Freunde, wir baden darin und genießen es, mögen diese Abwässer ewig fließen!“ In einer Stunde erscheint al- Mahdi – Friede sei mit ihm –, oder heute abend oder morgen früh, möge er schnell kommen! Keine Minute länger möchte ich in dieser schamlosen, gegen Allah rebellischen und von Unglauben erfüllten Welt bleiben, ich wünsche mir, daß all dies ein Ende hat. Ich will diese Welt nicht mehr, die sich vor Schmutz schüttelt und bebt, die um Erlaubnis ersucht: „O mein Herr, gestatte mir, Deine Diener, die gegen Dich rebellieren und sich weigern, sich vor Dir in Demut zu verneigen, gestatte mir, diese dreckigen Menschen abzuschütteln!“ Allah aber sagt ihr: „Erfüll’ deinen Zweck, der Plan der Dinge, die auf dir geschehen, unterliegt Unserer Bestimmung. Alles geschieht gemäß Unserem Befehl, die Zeit wird kommen. Dreh dich weiter und erfüll deinen Zweck!“ Möge Allah euch beschützen! Euch und alle Anwesenden. Möge Er uns schützen, wenn es Steine und Feuer regnet! Möge Er uns davor beschützen, in diesen Schmutz hineinzufallen! Bi hurmati l-habib, bi hurmati lfatiha
lefke - 15.10.2001
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