Maulana Sheikh NazimDie Zeit ist an ein Gefälle gekommen
Möge Allah der Allmächtige uns Vergebung gewähren. Auch dieser Monat geht dem Ende zu, alles läuft so schnell dahin, unser Leben verstreicht wie ein Fluß, der in einer Ebene langsam dahinrollt, doch wenn er ein Gefälle findet, stürzt er schnell hinunter, obwohl es derselbe Fluß ist. Jetzt ist die Zeit an solch ein steiles Gefälle gekommen, und dieselbe Zeit läuft jetzt um vieles schneller dahin, so wie der heilige Prophet das vorhergesagt hatte: „Wenn der Tag des Jüngsten Gerichts nahe gekommen ist, wird die Zeit viel schneller vergehen.“ Und der Herr weiß bestens Bescheid über Seine Diener, was das Beste für sie ist für die kommenden Tage, was am besten für sie sein wird in jenen Tagen.
Wir sind Schüler und Gefolgsleute des Naqshibandi-Ordens, oder wir beabsichtigen zumindest, Muride zu sein. Obwohl das so schwierig ist, wollen wir doch welche sein, denn es ist der nobelste und höchst ausgezeichnete Weg unter den Wegen, die zu Allah dem Allmächtigen führen. Und unser Weg beruht auf der Versammlung in der Gegenwart des Scheichs. Der Naqshibandi-Weg ist der am meisten auserwählte und wichtigste Orden, und zugleich der einfachste und leichteste zu gehen. Es ist kein harter Weg mit schwierigen Übungen. Shah Naqshiband, der Ordensgründer, sagte: „Mein Murid mag sich von besten Speisen ernähren, die beste Kleidung tragen und muß versuchen, der beste Diener zu sein.“ Ihr mögt das Beste essen, eure Pferde mit dem Besten füttern, die besten Kleider tragen, in den besten Häusern wohnen, ihr mögt die besten Autos fahren und mögt euch an den Gaben eures Herrn erfreuen, aber meine Muride müssen die besten Diener sein. Sie mögen von allem das Beste nehmen, aber sie müssen die besten Diener sein. Wir halten niemanden von den guten Dingen des Lebens ab, lebt das beste Leben und seid die besten Diener, denn das Beste ist geschaffen worden für die besten Diener. Allah hält die höchsten Gnaden für seine besten Diener bereit und macht sie für sie erlaubt. Er macht sie nicht halal für schlechte Diener, die ihre Dienerschaft nicht beachten, aber Er macht seine Gaben halal für Seine Diener. Der Herr hält Seine Gaben nicht zurück vor den Dienern, sondern hält diese dazu an, gute Diener zu sein. „Ich möchte, daß ihr Meine besten Diener seid, oder zumindest seid gute Diener!“

Was ist falsch am Islam? Was ist falsch am Naqshibandi-Weg? Alles, was gegeben wurde, ist halal für die guten Diener, doch nicht für die schlechten. Shah Naqshiband war der Grundpfeiler des NaqshibandiOrdens. Unser Großscheich hat gesagt, wenn er nicht gewesen wäre, wäre niemals der NaqshibandiOrden entstanden. So wie ein Zelt eine Mittelstange braucht, ohne die es in sich zusammenfällt, so ist er der Grundpfeiler dieses Ordens. Das bedeutet, daß die größte Autorität in diesem Orden sagt: „O Leute, alle Gottesgaben sind für euch. Er hat sie geschaffen, damit ihr euch an ihnen erfreuen sollt, und ihr müßt versuchen, gute Diener Gottes zu sein. Das ist alles für die Gläubigen. Versucht, gute oder beste Diener eures Herrn zu sein, und was Allah verlangt, ist nur, daß ihr beste Diener seid.“ Das ganze Leben muß für den Gottesdienst sein. Alles, was du tust, muß eine Art von Dienst am Herrn sein, nicht für dich selbst, es muß für deinen Herrn sein. Du mußt für deinen Herrn leben, für niemand anderes. Du mußt für Allah handeln, für niemanden sonst. Leben und sterben für Allah allein; das ist so einfach und so wunderbar, nur für Allah zu leben. Das Gegenteil davon ist, wenn jemand nur für diese Welt lebt, für Satan und sein Ego. Jeder lebt für irgend etwas, entweder für dunya, die Welt, oder für maula, den Herrn.

Ihr mögt es üben, alles, was ihr tut, für Allah zu tun. Manchmal kommt das Ego dazwischen und macht einen Angriff zusammen mit Satan, und es verkehrt deinen Weg in die entgegengesetzte Richtung. Sei sehr sorgfältig bei jeder Handlung und achte darauf, daß sie für Allah ist, das ist die beste Dienerschaft. Für Allah zu sein und für ihn zu sterben, von diesem Leben zu Allah zu gehen.

Die Jahre vergehen, alles verändert sich. Veränderst du dich auch? Die dunklen Haare werden weiß. Es ist im Islam eine große Ehre für einen Muslim, wenn seine Haare weiß werden. Doch wirklich wichtig ist, daß sich verändert, worauf der Herr schaut, ob sich das Herz seiner Diener von schwarz zu weiß verändert. Ihr müßt euch seelisch, spirituell, verändern, ihr dürft nicht bleiben, wie ihr in eurer Kindheit wart oder in eurem mittleren Lebensalter. Wenn Allah euch mehr Lebensjahre schenkt, schaut, ob ihr euch verändert in der Göttlichen Gegenwart. Nicht, daß Allah sagt: „Mein Diener ist so, wie er vor fünfzig Jahren war.“ Laßt nicht zu, daß Er das sagen muß, und deshalb müßt ihr nach jemandem suchen, der euch kontrollieren kann. Deshalb kommen die Leute in die Dergahs jung, und wenn die Alten gehen, treten sie an ihre Stelle. Versucht, das Gute zu erlangen. Wenn die himmlische Einladung kommt, sagt der Engel des Herrn zu jedem: „Laß alles hinter dir und komm!“ Und du mußt ihm gehorchen und alles lassen und gehen. Jener Tag ist unbekannt, und keiner kennt die Stunde. In jedem Moment mag er kommen, und du mußt ihm gehorchen. Und du mußt dich vom schlechten zum besten Zustand entwickeln, damit Er dich in einer guten Verfassung vorfindet. Das ist das wirkliche Geschäft des Lebens für die Menschen, nicht, Millionen anzuhäufen. Das Ziel ist nicht, im höchsten Gebäude der Welt zu leben und morgens beim Aufwachen sich in einem schmutzigen Strom wiederzufinden, der einen mit sich reißt. Versucht, reinen Herzens zu sein, damit ihr glücklich mit Allahs Gnaden sein könnt.

Es kommen ständig Menschen in diese Welt, und andere verlassen sie, wie ein nicht endender Fluß. Ihr mögt denken, das ist immer der gleiche Fluß, doch nur das Flußtal bleibt dasselbe, das Wasser aber, das hinunterfließt, ist nie dasselbe, es kommt ständig neues. Die Menschen strömen durch die Straßen, aber es sind nicht an zwei Tagen dieselben, es kommen neue dazu, und andere wieder verlassen die Welt. Manche erscheinen neu, andere verschwinden für immer, und keiner von ihnen weiß, wann er verschwinden wird. Wir nähern uns Schritt für Schritt dem Ende unserer Lebensspanne, und wenn unser Proviant und unsere Atemzüge zu Ende gehen, müssen wir gehen. Keiner kann die Nahrung eines anderen oder seinen Anteil aufzehren. Du mußt essen und trinken, was für dich bestimmt ist. Keiner kann seinen rizq, Lebensunterhalt, kaufen, und keiner kann seinen Anteil zurücklassen. Jeder muß seinen Anteil erreichen und aufbrauchen und dann die Welt verlassen.

Wenn man den Lebensunterhalt kaufen könnte, würden die Leute immer mehr davon kaufen und nie sterben.

Doch Allah hat unseren Anteil für uns vorbereitet, noch bevor er uns geschaffen hatte. Sechzigtausend Jahre vor ihrer Schöpfung hat Er für jede Kreatur ihren Anteil bereits festgelegt und vorbereitet, und Allah hat es so vorbereitet, daß er für jeden geeignet ist. Jetzt denken die Menschen, sie müßten den Lebensunterhalt für ihre Kinder herbeischaffen und haben Angst davor, selbst ein oder zwei Kinder zu haben. „Yaumun jadid, rizqun jadid.“

Jeder neue Tag bringt neue Versorgung mit sich. Die Menschen heutzutage machen sich zu viele Sorgen um die Bevölkerung der Welt und wollen deshalb keine Kinder mehr in die Welt setzen. Wenn das, was die Erde hervorbringt, gerecht verteilt würde, könnten ohne Probleme fünfzig Milliarden Menschen auf ihr leben.

- 01.01.1992
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