Maulana Sheikh NazimDie Familie der guten Menschen
Wir sagen den heiligen Namen Allahs: Im Namen Allahs, des Allmächtigen, des All-Barmherzigen, des Wohltätigsten und des Freigiebigsten. Dies ist ein heiliges Treffen, zur Ehre des Herrn der Himmel. Wir sind alle Diener und tragen nur den einen Titel: Diener des Herrn. Diese Einladung ist eine Ehre, und zweifellos ist diese Versammlung heute Sein Wille, und ich denke, daß meine Brüder - gleichzeitig auch meine Gastgeber - ebenso wie ich der Auffassung sind, daß wir uns in der spirituellen Welt befanden, bevor wir in dieses Leben eintraten.
Unsere Seelen befanden sich in jener Welt, und von dort aus wurden wir hierher in den Leib der Mutter geschickt und blieben dort dreimal 40 Tage lang. Schon in dieser geistigen Welt waren wir zusammen, und es ist unmöglich, daß man hier jemandem begegnet, wenn man ihm nicht schon vorher in der spirituellen Welt begegnete, denn dies ist die Voraussetzung dafür, daß man sich in der materiellen Welt trifft.

Unsere Seelen sind die gleichen: wahrhaftige Diener ihres Herrn. In der spirituellen Welt sind alle gleich: Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, alle Seelen sind gleich. Seine Heiligkeit hier trägt die Kleidung der Buddhisten und sieht aus wie ein buddhistischer Geistlicher. Seine Heiligkeit dort ist gekleidet wie ein protestantischer Priester, und euer Hochwürden trägt den Habit eines katholischen Priesters. Ich selbst habe das Aussehen eines muslimischen Scheichs. Diese Kleidung ist nur für eine kurze Zeit. Unsere wahre Kleidung ist in der Göttlichen Gegenwart. Dort gibt es keinen Streit zwischen den verschiedenen Gruppen, Glaubensrichtungen, Religionen, nur noch die Einheit des Herrn der Himmel. Das ist reines Wissen, Wirklichkeit, niemand kann Einwände dagegen erheben, weder Gelehrte, Heilige, Priester, Scheichs, noch sonst irgend jemand. Ich glaube an das, was ich denke. Ich nehme an, daß alle der hier Anwesenden an die Existenz Satans glauben, und ich suche einen Ort, wo es ihn nicht gibt. Wenn es den Teufel hier in Katalonien nicht gibt, dann bleibe ich hier.

Einst suchte jemand nach einem Ort, an dem es keinen Tod gibt, und er erkundigte sich überall, ob jemand gestorben sei. Er bekam zur Antwort: "Siehst du nicht den Friedhof? Warum fragst du so etwas? Was willst du?" "Ich suche einen Ort, den der Tod nicht erreichen kann." Man sagte ihm, er sei nicht ganz richtig im Kopf, aber er forschte weiter nach dem Ort ohne Tod. Endlich fand er ein Dorf, in welchem er vergeblich nach einem Friedhof suchte, und er glaubte sich am Ziel. Seine Frage, ob dort jemand gestorben sei, wurde verneint. "Dies ist der richtige Ort für mich", sagte er, "aber wie ist es möglich, daß dieses Dorf immer gleich groß bleibt, wo hier doch niemand stirbt? Was geschieht mit den Menschen?"
"Dort drüben ist ein Hügel", antwortete man ihm, "und von Zeit zu Zeit hört man von dort einen Ruf: 'He Pedro, He Senora María, kommt!' Und wenn sie dann gehen, kommen sie nie mehr zurück." "Sollen sie nur rufen", erwiderte er. Und er war sehr froh.
Eines Tages - er hatte sich gerade beim Barbier zum Rasieren niedergelassen und die Rasur war gerade zur Hälfte beendet - hörte er, wie ihn jemand rief und er sagte: "Ich muß schnell weg, da drüben ruft mich jemand."
"Aber so bleiben Sie doch sitzen, wir sind doch noch gar nicht fertig."
"Lassen Sie mich, ich muß gehen."
Und auch er ging hinauf und kehrte nie mehr zurück.

Der Tod ist überall, er macht weder vor Palästen noch vor Hütten halt. Und Satan kommt viel leichter an Könige heran als an gewöhnliche Menschen. Man fürchtet ihn auch, wenn er sich den Kirchen nähert und schaut, ob jemand drin ist oder ob er sich vielleicht an den Priester heranmachen kann. Satan ist von Anfang bis Ende aktiv, und er ist ein erstklassiger Unruhestifter.

Ich habe seine Heiligkeit Bartolomäus, den Patriarchen von Konstantinopel besucht, das Oberhaupt der orthodoxen Kirche, der Papst der oströmischen Kirche sozusagen. Wir sind Freunde. Er spricht gut Türkisch und hat ein gutes Gesicht, und unsere Herzen sind einander nahe. Er ließ mich durch einen geheimen Eingang herein, aus Achtung und Liebe zu mir, denn normalerweise wird man von Sicherheitskräften kontrolliert.
Als wir so beisammensaßen, sagte er zu mir: "Scheich Nazim, wie denken Sie über all die Krisen und Unruhen? (Wer hier schläft, muß rausgehen, oder er bekommt weder Tee noch Kuchen. Das Offizielle liegt mir nicht, darum rede ich so frei und offen. Das Offizielle überdeckt die Aufrichtigkeit. Wir müssen so bleiben, wie wir sind, und auch vor hochgestellten Personen bleibe ich so, wie ich bin und verstelle mich nicht.)
Als er mich fragte, wie ich über die immer zahlreicher werdenden Unruhen denke, sagte ich: "Eure Heiligkeit, glauben Sie denn, daß Satan in den Ruhestand getreten ist?" "Nein", sagte er, "das glaube ich nicht. Wenn er im Ruhestand wäre, dann hätten wir Ruhe." Aber noch ist er aktiv und an der Macht. Daran kann auch die Demokratie nichts ändern. Er ist König und hat die Macht in seinem Königreich.

Vorsicht vor dem Satan! - Schreibt dies anstatt "Vorsicht, bissiger Hund." Wenn man einem Hund den Stock zeigt, läuft er weg. Aber auch wenn man mit einem Gewehr auf Satan schießen würde, würde er nicht weglaufen. Und selbst wenn eine ganze Armee auf ihn feuern würde, würde er dies für einen Ehrensalut halten. Darum müssen wir uns, eure Heiligkeit, an den Händen halten und gegen Satan zusammenhalten, um sein Königreich zu zerstören. Wenn wir dies nicht schaffen, gibt es weder Frieden noch Gesundheit noch Glück, nur endloses Leid.

Ich versuche deshalb, eine Organisation der "Guten" zu schaffen, der Heiligen, damit wir zusammen, Hand in Hand, dem Angriff Satans und seiner Gefolgsleute entgegentreten. Vielleicht ist das eine schwere Arbeit, vielleicht finden einige das sehr schwierig. Aber ich glaube, daß der Herr der Himmel uns hilft, wenn wir gegen Satan zusammenhalten. Jesus Christus hatte auch nur zwölf Schüler, und sein Glaube hat sich in der ganzen Welt verbreitet. Darum müssen wir gegen Satan zusammenhalten, auch in kleinen Dingen, damit er nicht seine Ideen bei der Jugend verbreitet, und wir müssen uns gegen seine Angriffe und Fallen wehren, so gut wir es vermögen.

Ich hoffe und glaube, und mit mir die ganze muslimische Welt, daß das neue Jahrtausend das Königreich der Himmel bringt. Und wir glauben, daß Isa (Friede sei auf ihm), Jesus, der himmlische König auf Erden sein wird und daß unter seiner Königsherrschaft alle Königreiche an die Macht kommen werden, Satan und seinen Gefolgsleuten zum Trotz. Ich bin voller Hoffnung, daß die Erde endgültig für alle gereinigt wird, und daß der Schmutz von ihr hinweggenommen wird. Dann wird wahre Gerechtigkeit und Achtung und echte Liebe und Barmherzigkeit zu den Menschen zurückkehren. Ich hoffe auf unerwartete Veränderungen in den nächsten Jahren, und daß Kraft vom Himmel auf die Erde kommt. Wir brauchen Hilfe im Kampf gegen Satan, weil die Mehrzahl der Menschen sein Königreich unterstützt. Darum erwarten und ersehnen wir Hilfe vom Herrn der Himmel für die Erde.

Ich halte meine Ansprache nicht gerne länger als die heutige. Mein Herz ist froh, daß ich heute mit seiner Heiligkeit und all diesen Vertretern verschiedener Religionen zusammensein konnte. Ich bin kein Fanatiker im Glauben, ich glaube vielmehr, daß die Rechtschaffenen zusammenhalten sollen, zum Nutzen der Menschheit, um die Menschheit zu retten, wie eine große Familie, damit die Menschen Brüder werden. In der Göttlichen Gegenwart wird derjenige am meisten geehrt, der für die Menschheit sein Bestes tut, und am schlimmsten sind die, die für Satan arbeiten und der Menschheit Schaden zufügen: sie gehören nicht zu uns. Dies ist meine Erklärung in ihrer heiligen Gegenwart.

Möge Allah uns vergeben, und ich bitte meinen Herrn um Verzeihung, weil wir so machtlos sind gegen die Angriffe Satans, und wir bitten Ihn demütig um Seine himmlische Hilfe. Möge Allah uns alle segnen, unsere Arbeit, unser Streben. Laßt uns einander an den Händen halten und auf immer für unseren Herrn sein.
[Gemeinsames Gebet] Laßt uns so bleiben im Diesseits und im Jenseits. - Jetzt ist es an der Zeit, uns mit Tee zu stärken.

- 01.10.1997
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