Maulana Sheikh NazimIn Vollkommenheit
Alles ist in Vollkommenheit, jeder Mensch ist in Vollkommenheit geschaffen. Alles ist auf seine Weise vollkommen, trägt in sich eine absolute Perfektion. Laß jeden Menschen, jede Kreatur in seinem eigenen Zustand. Sein Schöpfer besitzt die Meere der absoluten Vollkommenheit. Wenn wir hier vor uns schauen, sagen wir, daß dieser Sony-Kassettenrecorder der beste unter den Recordern ist, weil er ein Sony-Gerät ist. Das Instrument bekommt Perfektion, weil seine Herstellerfirma es durch ihren Namen berühmt macht. Und was ist mit Allah dem Allmächtigen? Wer sich selbst betrachtet und nicht „alhamdulillah“ sagt, ist kein Gläubiger, sondern ein Lügner. Er mag hundert Jahre alt sein, klein oder groß, dick oder dünn, er mag schwarz oder rot oder blaubärtig sein. Als ich Englisch lernte in meiner Schulzeit, lasen wir so viele Kurzgeschichten, von welchen eine den Titel „Blue Beard“ trug. Wenn du dich anschaust und nicht die Vollkommenheit in dir selbst erkennst, dann preist du nicht wirklich deinen Herrn. Du mußt sagen: „Subhanallah, wal hamdulillah, la ilaha illa llah, allahu akbar.“

Warum beginnt der heilige Quran mit dem ungeschriebenen Befehl: „(Qulu) alhamdulillahi rabbil ‘alamin.“ Sprecht: Alles Lob und Dank sei Allah, dem Herrn der Welten.? Er ist es, der euch eure Form gibt in den Leibern eurer Mütter. Und die Welt ist für alle da, sie gehört niemals irgend jemandem. Es ist ein großer Fehler, daß die Menschen versuchen, diese Welt für sich zu besitzen. Früher, als mich noch niemand hier in London kannte, wurde ich dazu gezwungen, umherzulaufen, mir Museen anzusehen, den Tower und den Zoo. Damals wußte niemand etwas über mich, ich war ihnen verborgen in jenen Tagen.

So gingen wir eines Tages, um den Tower of London zu besichtigen. Es war eine Ausstellung über die Schätze Ihrer Majestät der Königin und ihrer Vorfahren zu sehen. Es wurden die königlichen Gewänder vergangener Könige und Kaiser gezeigt. Ich schaute mir die Kleider an und fragte den Führer: „Wo sind die, die diese Kleider getragen haben?“ „Unter der Erde“, war die Antwort. In der Westminster Kathedrale ist ein großer Platz, wo sie alle begraben liegen. Es zeugt von größter Dummheit und Ignoranz, von etwas zu sagen: „Das gehört mir.“ Denn alles wird dir letztlich weggenommen werden. Die Welt betrügt die Menschen und verführt sie dazu, sich gegenseitig zu töten und Unruhe zu stiften, alles um ihretwillen.

Es gibt die berühmte Geschichte von Jesus Christus, als er auf einer Reise an einer Höhle vorbeikam. Er trat hinein und sah dort einen großen Haufen Gold, und daneben lagen die Gebeine von drei Männern. Und Allah gab ihm Nachricht darüber, was dort geschehen war: Die drei waren gute Freunde, die zusammen auf Reisen waren. Sie kamen an diese Höhle und entdeckten jenen Haufen Goldes. Sie waren voller Freude darüber und beschlossen, alles mitzunehmen. Doch sie fürchteten, daß während des Tages sie jemand sehen könnte und es ihnen wegnehmen würde. So entschlossen sie sich, es Nachts wegzubringen, wenn keiner zusehen würde. Sie sagten: „Einer von uns soll in die Stadt gehen und etwas zu Essen und zu Trinken bringen.“ Kaum machte der sich auf den Weg, kam Satan, der Erzfeind des Menschen, der immer das Schlechteste für ihn will, zu ihm und sagte: „Warum willst du mit ihnen teilen? Nimm alles für dich alleine. Wie du das machen sollst? Vergifte sie doch einfach!“ Und er entschloß sich, das zu tun. Das ist eine gute Lehre für alle, die anderen etwas Schlechtes zufügen wollen. Denn Satan kam natürlich auch zu den anderen beiden Gefährten und sagte zu ihnen: „Tötet doch den einen und teilt das Gold in zwei Hälften unter euch auf.“ Es ist sehr gefährlich, schlechte Absichten gegen jemanden im Herzen zu tragen. Haltet eure Herzen immer offen mit guten Absichten. Als der Kumpane mit dem Essen zurückkam, sagten die anderen zu ihm: „Du kommst sehr spät. Du hast uns eine Falle gestellt, um alles für dich allein zu nehmen.“ Und so töteten sie ihn und setzten sich dann, um genüßlich das vergiftete Essen zu verspeisen. So waren alle drei Leute tot, und der Haufen Gold lag noch immer unberührt an seinem Platz. Der Herr sagte zu Jesus: „So ist die Welt, sie tötet jeden, doch sie ist nach wie vor am gleichen Ort.“

Wir haben unseren Glauben verloren und sind nur noch weltliche Wesen. Unsere einzige Freundschaft gilt nur noch den materiellen Dingen. Keiner denkt mehr an die Himmel und die geistigen Welten. Keiner fragt oder verlangt danach. Wir schieben dieses Thema nur hinaus, ohne es jemals aufzugreifen. Das bringt diese endlosen Probleme mit sich. Satan macht nämlich diese Welt zu seinem Eigentum und bietet sie den Leuten an: „Wer will sie kaufen? Sie bringt nur Schaden und gibt niemandem Frieden oder Freude. Ich verkaufe sie euch teuer!“ Und jeder rennt, um sie für sich zu bekommen, das teuerste Stück. Satan macht sie so teuer wie möglich. „Der Preis ist: Ihr müßt sagen, es gibt kein Paradies, kein ewiges Leben. Ihr müßt alles leugnen, was nach dem Leben kommt, und dafür verkaufe ich sie euch.“

Und die Leute wetteifern: „Gib sie uns, wir wollen nichts anderes, als was du uns verkaufst. Eine Kugel voller Skorpione, giftiger Schlangen und Insekten.“ Und sie kaufen sie begierig. O Menschen, Allah hat euch für Sich Selbst geschaffen, und diese Welt hat Er geschaffen, damit sie euch dient. Macht euch nicht zu Dienern der Welt, sie muß euch dienen. Wenn jemand ein Diener seines Herrn ist, dann wird die Welt ihm zu Füßen liegen, andernfalls kennt sie keine Gnade oder Mitleid für euch, sie zermahlt euch wie ein Fleischwolf. Möge Allah der Allmächtige euch öffnen, daß ihr versteht und in Ausgeglichenheit lebt. Das ganze Leben in Gottesdienst zu verbringen, wäre das Beste, doch zumindest müßt ihr ein Gleichgewicht herstellen zwischen eurem Herrn und eurem Reittier hier auf Erden.

- 01.01.1993
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