Maulana Sheikh NazimKein Erfolg ohne Disziplin
Ya Sayyidi Shah Naqshband. Tariqatuna s-ssuhba wa l-khairu min al-jam‘iyyah. Sie sind Anfänger. Und wir versuchen, den höchst ausgezeichneten Naqshibandi-Orden zu üben. Der höchst angesehene Naqshibandi-Orden läßt den Schülern keine Toleranz, denn es ist wie mit einem Flugzeug: Es läuft auf dem Rollfeld, und es beginnt mit zehn Meilen pro Stunde, beschleunigt dann auf 40, 50, 60. Das bedeutet, die Disziplin wird größer und stärker. Verlangte das Flugzeug vom Kapitän, daß ihm Toleranz eingeräumt wird, wird es gefährlich, denn das Flugzeug kann auf dem Rollfeld kippen oder hinaufsteigen und nach einer Weile hinunterfallen. Das ist die Bedeutung von Toleranz. Der Kapitän mag dem Flugzeug solange Toleranz gewähren, wie es sich auf die Rollbahn zubewegt. Hat es die Rollbahn erreicht, gibt es keine Toleranz mehr. Der Antrieb erhöht sich, es steigt auf, steigt auf, mit mehr und mehr Geschwindigkeit. Wir sind jetzt Anfänger wie das Flugzeug auf dem Flughafen, das noch nicht auf dem Rollfeld ist. Deshalb akzeptieren wir, was wir tun, es stört nicht und macht nichts. Aber wenn der Befehl vom Kontrollturm kommt und lautet: „Los!“, gibt es keine Toleranz mehr. Nein. Jetzt bewegen wir uns von Osten nach Westen, von rechts nach links – macht nichts. Aber wenn vom Turm des Propheten der Befehl an Großscheich ergeht, gibt es keine Toleranz mehr, vielmehr eine sehr feste Disziplin. Und es mag heißen: „Sicherheitsgurte anlegen, bis wir ankommen.“
Ihr dürft euch nicht betrügen lassen, ich spielte mit euch, denn ihr, wir alle sind Anfänger, macht nichts. Wenn wir aufgefordert werden, uns zu bewegen, dann hat jedes Flugzeug ein anderes Ziel. Jeder kommt auf dasselbe Rollfeld, aber mit unterschiedlicher Bestimmung. Wenn die heiligen Befehle der Propheten, der Friede sei auf ihnen, kommen, müßt ihr bereit sein, jene Disziplin auf euch zu nehmen, bis ihr die Himmel erreicht. Und jetzt sind wir nur Lernende – macht nichts.

Auf dem Himmelszelt da gibt es Wolken. Manchmal schauen wir und sehen so viele schwarze und weiße Wolken, doch sie sind eine von der anderen abgetrennt, und jede wandert vor sich hin als ein Stück Wolke, kleine und große, aber es gibt keinen Regen. Erst wenn der himmlische Befehl sie heißt: „Regnet!“, kommen sie unter Disziplin. Sie fügen sich alle schnell zusammen, bedecken den Himmel und beginnen, das ist Disziplin. Disziplin bringt immer Nutzen. Vollen Gewinn. Ohne Disziplin regnen die Wolken niemals; ohne Disziplin können die Flugzeuge nicht fliegen. Ohne Disziplin kannst du nichts lernen. Alles bedarf der Disziplin, und gerade in den Religionen bedarf es der Disziplin, damit es eine Bewegung von einer Station zur nächsten gibt. Und die Stationen folgen eine auf die andere. Und die Disziplinlosigkeit ist heute ein Hauptgrund dafür, daß alles in Krisen fällt. Krise bedeutet Gefahr. Wenn ein Mensch eine Krise hat, bedeutet es, daß er in Gefahr ist. Es sind solches Krisen, die die Menschen daran hindern, die Göttliche Ebene zu erreichen. Deshalb ist überall, wo Disziplin herrscht, Erfolg, Zufriedenheit, Gesundheit, Wohlstand, Freude, Frieden, Vergebung, Segen. Ohne Disziplin keine Vergebung, keine Barmherzigkeit, kein Frieden, keine Freude, nichts. Wer Frieden und ein Voranschreiten will, muß versuchen, zu den Gesegneten zu gehören. Andernfalls kein Erfolg, so auch ohne Disziplin kein Erfolg.

Der erste Schritt in Sachen Disziplin ist, jemanden zu finden, der dir Disziplin geben kann und dich zwingt, sie beizubehalten. Wenn jemand von sich sagt: „Ich habe spirituelle Macht“, muß sein Beweis darin liegen, daß er in der Lage ist, seinen Anhängern Disziplin aufzuerlegen und diese solange nicht aufzuheben, bis sie eine Vollkommenheit erreicht haben. In der vergangenen Nacht war ich an einem Ort, da gab es eine kranke Person mit einem gebrochenen Bein. Dieser Person ist nun befohlen worden, für eine genau festgelegte Zeit, vielleicht sechs oder sieben Monate, eine bestimmte Disziplin zu befolgen, das Bein nämlich nicht vor dieser Zeit offenzulegen. Öffnete sie es vor dieser Zeit, wäre es gefährlich. Sie hat keine Erlaubnis, ihr operiertes Bein offenzulegen und in den Straßen spazierenzugehen. Es geht darum, eine Disziplin zu beachten oder einem Befehl zu gehorchen oder eine Erlaubnis vom Arzt haben, und der Arzt mag sagen: „Jetzt kannst du spazierengehen, das macht nichts.“

Und es wichtig für uns, so sehr wie möglich Disziplin mit anderen Leuten und mit uns selbst einzuhalten. Und am Ende wird Allah der Allmächtige alles korrigieren, so du mit jenem kommst. Deshalb ist für Muriden, die die Göttliche Gegenwart erreichen wollen, der erste Faktor Disziplin. Wenn du so glücklich bist, hohe Stufen zu erreichen in der Göttlichen Gegenwart, mußt du viel mehr noch versuchen, jenes Gleichgewicht in dir zu bewahren, und Gleichgewicht kann es ohne Disziplin nicht geben. Wenn du sagst: „Ich bin glücklich mit dem, wo ich jetzt gerade bin“, magst du das tun. Es ist für dich. Und wer hohe Positionen und hohe Stufen haben will, muß wirkliche Disziplin bewahren. Es geht nicht um unseren Wohlstand. Disziplin ist nicht mit Wohlstand verflochten, sondern es ist etwas Spirituelles, das du bewahren mußt, um hohe Positionen in den Himmeln zu erreichen. Und niemand erreicht es ohne Disziplin in einem selbst oder wenn er nicht einem Menschen folgt, der selber volle Disziplin besitzt – so wie jemand einen Flug nimmt, ist es für ihn nicht verpflichtend, für die Maschine zu sorgen und zu fliegen. Nur ein Mensch kann so etwas nicht allein tun. Er mag es sich vorstellen, aber die Vorstellung kommt nicht zur Wirklichkeit ohne Disziplin, und es tut mir leid, sagen zu müssen, daß alle Menschen, Männer wie Frauen, gesunde und wohlhabende Leute, (nicht) glücklich sind mit ihrer Gesundheit und ihrem Reichtum, vielmehr suchen sie etwas, das sie glücklich und in Frieden sein läßt. Das gehört euch an, und ihr mögt eurem spirituellen Wesen folgen. Alles, worum ihr bittet, möge euch nahe sein.

Allein Disziplin vermag die Menschen auf ihren Weg zu bringen und sie zu veranlassen, es zu durchschneiden und ihre Ziele zu erreichen. Möge Allah uns verzeihen und geben, daß wir verstehen. Und gutes Verstehen ist nicht genug, bis wir das anwenden, was wir gelernt haben und wir weiter nachforschen, bis wir in unserem Herzen Zufriedenheit und Frieden gefunden haben. Ihr seht Ereignissen entgegen, die euch mehr Bekümmernis bringen. Wenn diese vorbeigehen und ihr bittet, die Göttliche Gegenwart zu erreichen – das ist euer Ziel. Wenn ihr die Mittel findet, die euch zu den Propheten führen und heiligen Treffen, bedeutet das, daß ihr langsam, langsam zu euch selbst kommt. Denn die meisten Menschen sind weit entfernt von ihrer eigenen Realität. Sie denken: „Ich bin wie Jamaluddin“ oder Jamaluddin sei wie Ibrahim oder Ibrahim wie Hassan. Nein. Vielmehr ist jeder anders. Bittet um mehr erfrischende Weisheit, daß sie euch dazu bringt, euch zu bewegen und etwas zu finden in diesem Leben und im nächsten. Allah allah ... ‘aziz allah allah allah ... karim allah allah allah ... subhan allah allah allah ... sultan allah Vergib uns, o unser Herr, wir brauchen Deine Segnungen. Sende uns den Sultan der ganzen Welt, ... den Sultan des Islam, um mit ihnen für immer zu leben, hier und hiernach. Bi hurmati l-habib al-fatiha.
Lefke - 01.02.2000
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