Maulana Sheikh Nazim(K)ein Grund zur Klage!?
Allah der Allmächtige mag es, wenn die Menschen glücklich sind, aber ich sehe, daß sie unglücklich sind. Warum? Weil Er sie als Menschen erschuf und nicht als Affen? Hätte Er uns als Esel geschaffen, was könnten wir tun? Ihr seid Söhne und Töchter Adams, ihr seid von den Menschen. Ihr seid Stellvertreter oder Kandidaten für Stellvertreter unseres Herrn. Warum seid ihr nicht glücklich? Warum seid ihr unglücklich?
O Leute, jeden Tag weinen, sich beklagen über dies, das, etwas anderes! Warum beschwert ihr euch? Was ist der Grund? Wären wir als schwarze Käfer erschaffen worden, was könnten wir sagen? Würdest du etwas sagen können? Nein. Jener schwarze Käfer ist so glücklich, er rühmt seinen Allmächtigen Herrn, indem er sagt: „Subhanallah!“, aber ihr, die Kinder Adams: – Tausende und Tausende von Klagen. Das paßt niemals zu eurem Rang im Universum. Niemand anderem im gesamten Universum ist solch ein Rang gegeben worden. Wozu also beklagt ihr euch ständig? Es gibt Klagen von jedermann, ein jeder beklagt sich. Dem Menschen ist alles gegeben worden, aber dennoch beschwert er sich.

Einmal ging ich von meinem Haus aus zum Hause des Großsheikhs in Damaskus. Es regnete heftig, und ich trug Holzsandalen. In den Straßen war so viel Wasser, und meine Kuf, Ledersocken, waren naß. Ich beklagte mich beim Großsheikh. Der Großsheikh rief: „Sag nicht so etwas, Nazim Efendi! Beklage dich nicht! Die Menschen haben auf Regen gewartet, und es kommt so viel, und du redest über deine Ledersocken!“ Ich sagte: „Astaghfirullah, Verzeihung, ya Sayyidi, o mein Herr.“

Immer wenn du dich über etwas beklagen willst, mußt du dich daran erinnern, daß du dich nicht beklagen darfst. Kein Grund: Du mußt dich daran erinnern, was dir gegeben wurde, und darüber beschämt sein, dich zu beklagen. Einige Dinge kommen zu uns gemäß der Stufe unseres Glaubens. So sehr du in der Lage sein magst zu ertragen, ertrage es und beklage dich nicht. Es ist besser für dich. Großsheikh ist nicht einverstanden damit, daß seine Muriden, die, die ihm folgen, sich beklagen. Denn Allah der Allmächtige gibt dir etwas auf, Er prüft dich. Du darfst nicht voraussetzen, daß alles so sein würde, wie du es willst – nein. Du mußt lernen, zum Herrn zu sagen: „O mein Herr, wie Du willst.“ Das ist tarbiyah, Training. Das ist irshad, Führung. Es zeigt uns den richtigen Weg. Das ist das Training der Tariqats, das ist die Führung unseres Murshids, das Training für uns. Ich sage nicht, daß ihr nicht geprüft würdet. Ihr müßt geprüft werden, aber ihr müßt euch von der Klage fernhalten. Ihr müßt euer Ego, euer Nafs, bekämpfen, daß es das Sich-Beklagen aufgibt, denn es ist eine Krankheit. Wenn du dich aus einem Grund beklagst, kommt mehr als einer zu dir. Nehmt ihr das Beklagen auf, werden da mehr als zwei Gründe sein – drei, vier. Sie werden nicht weniger, sondern mehr.

Deshalb: Trainiert euch nicht darin, euch zu beklagen; laßt das Sich-Beschweren. Ja, es gibt sicherlich so viele Dinge, die ein Grund zur Klage sein möchten, aber ihr müßt dies Beklagen sein lassen, so daß es weniger und weniger und weniger wird und dann aufhört. Das ist wichtig für alle von uns. Beklag dich nicht über deinen Ehemann, beklage dich nicht über deine Ehefrau; vielmehr muß jede Seite auf ihren Partner als eine Gunst ihres Herrn an sich schauen. Dann seid ihr im Begriff, euer Leben hindurch glücklich zu sein.

Heute aber sagt ein ignoranter Mann nicht, diese Frau sei eine Gunst seines Herrn, sowenig sie sagt, jene Person wäre eine Gunst ihres Herrn an sie. Sie wollen nicht wissen, und deshalb werden sie einander schnell überdrüssig, nach drei Tagen werfen sie den anderen hinaus wie ein Paar Schuhe. Sie sind nicht von Art der Menschheit, sondern kommen von der Stufe der Menschheit hinab auf die Stufe der Tiere. Nur Tiere kommen für drei Tage in Liebe zueinander und gehen dann fort: bye-bye. Wir müssen den Weg der Menschheit einhalten, denn die Menschheit ist durch ihren Allmächtigen Herrn geehrt worden, während die Tiere unter den Befehl der Menschheit gestellt wurden, der Kinder Adams.

Laßt das Beklagen, ja. Aber glaubt nicht, daß es leicht wäre, dies zu erreichen. Ihr müßt kämpfen. Als wäre eine große Schlacht vor euch, so kämpft mit eurem Ego. Euer Ego, euer Nafs, beklagt sich immer, ist nie zufrieden, denn wenn eurem Nafs ganz London gegeben würde, sofort glaubt es, ganz England müsse ihm gehören. Und jedesmal, wenn es sich beklagt, endet es niemals. „Warum London allein? Auch Birmingham, Edinburgh und Kent müssen mir gehören.“ Wenn ihm dies gegeben wird, fragt es nach Schottland, dann nach Wales, und so weiter und so fort. Das Nafs beendet sein Beklagen niemals.

Wenn ein Mann die schönste Dame sein eigen nennt, so wird sein Nafs nach einer anderen schauen. Wo gibt es eine andere schöne Lady? Warum gehört sie mir nicht? Auch sie wird die seine sein. Dann schaut er noch nach einer anderen. „Schande über dich, du monströses Ego“, mußt du sagen. Du mußt wissen, daß es unmöglich ist, unser schamloses Nafs zu stoppen.

Und uns ist ein Nafs gegeben worden, während den Damen neun gegeben wurden. Ja, und sie zügeln sich mehr als die Männer. Deshalb kommt Strafe jedesmal auf Männer mehr als auf Damen. Sie haben auch eine Entschuldigung in der Göttlichen Gegenwart, aber ihr, Männer, nicht. Ja. Deshalb müßt ihr glücklich sein.

So viele Leute kommen zu mir. Vierundzwanzig Stunden am Tag höre ich Klagen an. Deshalb will Großsheikh, daß dieses Sich-Beklagen aufhöre, oder ich werde einen Stock in meine Hand nehmen. Wer auch immer kommt und sich beklagt ... ! Ja.

Die Worte „alhamdulillah, ya rabbi, Preis sei Allah dem Allmächtigen“ eröffnen den Heiligen Koran. O ihr Leute, sagt „alhamdulillah!“ und tretet ein ins Paradies. Sag „alhamdulillah!“. Dann wirst du hier im Paradies sein und hiernach ebenso. Jederzeit sage „alhamdulillahi rabbi l-‘alamin“ – Lob sei Gott, dem Herrn der Welten; immer, sagt es immer, o ihr Leute. Dann werden alle Probleme gelöst sein, verschwinden; dies eine Wort rettet die Menschheit. Deshalb ist es ein Göttliches Buch zur Lösung jeden Problems auf Erden, von Anfang bis Ende. O Leute, sagt: „Alhamdulillahi rabbi l-‘alamin“, und ihr werdet in der Lage sein, jede Lösung darin zu finden. Dann wirst du hier im Paradies sein. Bevor der Letzte Tag kommt, wirst du im Paradies sein auf Erden. Wie Regen werden jene Gnaden und endlosen Günste auf euch herabkommen, wenn ihr „alhamdulillahi rabbi l-‘alamin“ in jeder Situation sagen könnt. Ich sage nicht, daß es leicht ist, nein, denn wir haben Egos, und wir hören auf unsere Egos und reden und beschweren uns. Aber ihr müßt versuchen, so sehr ihr in der Lage dazu seid, es weniger und weniger zu tun, so daß es insgesamt ein Ende haben kann.

Am Tag der Wiederauferstehung, wenn die Menschen sich am Ende der Lebenszeit in der Göttlichen Gegenwart versammeln, wird Allah der Allmächtige einen Engel befehligen, daß er vor all den Menschen, die sich auf jener Ebene von Mahshahr versammelt haben, ausrufe: „Aina l-hamidun? Wo sind jene Leute, die in jeder Situation und unter allen Bedingungen, in denen sie waren, die Gewohnheit hatten, „alhamdulillah“ zu sagen – wo sind sie? Sie sollen jetzt aufstehen und das Paradies betreten, kein Gericht für sie.“ Bidun muhasabah, ohne daß sie aufgerufen würden, Rechenschaft abzulegen, ohne Gerichtsurteil, ohne irgendwas heißt Allah der Allmächtige jene Leute ins Paradies gehen, die in jeder Situation gewöhnlich sagten „alhamdulillahi rabbi l-‘alamin“.

Der Prophet selbst lehrt uns. Als sein kleiner Sohn Sayyidina Ibrahim starb, war er über alle Maßen traurig. Er weinte auch. Zweieinhalb oder drei Jahre alt war sein Sohn. Doch er sagte nur: „Kama yuhibbu rabbuna wa yarda. Wie es meinem Herrn gefällt und er zufrieden ist, bin ich einverstanden.“

Solch schwere Bedingungen oder schwierigen Heimsuchungen mögen auf euch kommen, doch dürft ihr euren Glauben an Allah den Allmächtigen nicht verlieren. Ihr mögt so betrübt oder traurig sein, und doch müßt ihr immerfort sagen: „Wie es meinem Herrn gefällt und Er zufrieden ist, so versuche ich zu sein“, so daß du eine Stufe erreichen magst, die nur sehr wenige Leute erreichen können – die Stufe des Rida, die Stufe der Zufriedenheit. Das ist die höchste Stellung, die ein Mensch erreichen kann. Solche Leute haben ein privates Paradies, und andere mögen auf ihren Rang sehen wie Leute auf Erden zu den Sternen schauen, da es doch unmöglich ist, jene Sterne zu erreichen. Es ist unmöglich, und so, wie wir zu den Sternen schauen, so werden die Leute des Paradieses zu den Rängen, den Stationen jener Leute der Zufriedenheit schauen. Du kannst dich ihnen nicht nähern, wegen ihres Lichtes. Man kann jenes Lichte nicht ertragen; es ist unmöglich, sich jenen Sternen zu nähern. Zu hell, zu heiß – aber für jene Leute der Zufriedenheit ist es richtig.

Ja, wir sind Anfänger, aber ich zeige euch, wie ihr Ziele erreichen könnt. Ich zeige es euch, damit ihr die Wege kennenlernt, wie man hier und hernach glücklich ist. Denn Allah der Allmächtige mag Seine Diener niemals unglücklich. Nein. Allah der Allmächtige ist nicht glücklich, wenn Seine Diener unglücklich sind. Glaubst du, er wäre glücklich, wenn du unglücklich bist? Siehst du, wie kannst du glücklich sein, wenn jemand von deiner Familie unglücklich ist? Dann wirst du auch unglücklich sein. Und alle Menschheit gehört der Göttlichen Familie an, der Schöpfung der Familie Allahs. Wie kannst du annehmen, daß dein Herr glücklich ist, wenn Seine Diener unglücklich sind? Deshalb ist er ärgerlich mit Leuten, die sagen, sie seien unglücklich, denn Er gab ihnen all das, was er keinem anderen gab, und immer noch sagen sie, sie seien unglücklich.

Der Göttliche Zorn ist auf denen, die unglücklich sind. Deshalb warne ich euch: Nähert euch nicht dem Göttlichen Zorn. Wir bitten um Vergebung. Wir müssen glücklich sein; dann ist Er glücklich. Ja, alhamdulillah, wir sind Anfänger, und wir versuchen, wir versuchen, diesen Punkt zu erreichen. Und wir müssen alle Möglichkeiten versuchen, dieses Ziel zu erreichen, bevor wir dieses Leben verlassen. Und ein Weg zum Glück ist der, auf alles als auf eine Gunst von deinem Herrn an dich zu schauen.

Ein jeder um uns herum ist von den Gunsterweisen unseres Herrn. Du kannst dir vorstellen, was du in dieser Stadt machen würdest, wenn in solch einer großen Stadt nur fünfzigtausend Leute wären. Du würdest sagen, daß dies eine Stadt der Gespenster ist, wenn es in dieser riesigen Stadt London nur fünfzigtausend gäbe. Deshalb ist jede Menschenmenge in dieser Stadt von den Günsten unseres Herrn. Mag sein, daß die meisten von ihnen Unruhe stiften, aber selbst wenn sie Unruhe machen, sind sie Günste. Andernfalls wäre es eine sehr stille Stadt: Ihr könntest eure Fußtritte hören, ihr würdet euch fürchten. Ja. Schaut auf alles, was euch umgibt, als auf Günste von eurem Herrn, und ihr werdet im Paradies leben.
London - 09.06.1985
Valid XHTML :: Valid CSS: :: Powered by WikkaWiki