Maulana Sheikh NazimÜber Prüfungen

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Allbarmherzigen.
Ihr habt eine Frage gestellt, die Frage nach den Prüfungen.
Prüfungen gibt es für Alle. Nicht nur für besondere Menschen.
Gott der Allmächtige prüft jeden Menschen, ob Mann oder Frau,
Alte und Junge, Gebildete und Ungebildete, Gläubige und Ungläubige.

Die gesamte Menschheit wird der göttlichen Prüfung unterzogen. Es
ist eine allgemeine Methode Gottes für seine Diener.
Manchmal sind die Prüfungen dazu da, diejenigen zu reinigen, manch-
mal um eine höhere Stufe zu erreichen, zum Vorankommen, zur Vervoll-
kommnung. Es gibt niemanden, der von Prüfungen ausgeschlossen bleibt.
Der Großscheich sagte: ,,Allah kündigt nicht an ,Ich prüfe‘, sondern
Er sagt ,Ich lasse euch nicht ohne Prüfungen leben‘. Wenn er Seine
Prüfungen ankündigen würde, würde sich vielleicht Mancher ihnen
entziehen, Ausreden haben, ihnen zu entgehen. So aber kann niemand
ihnen entkommen.

Ein jeder erfährt Prüfungen seiner Glaubenskraft entsprechend. Besitzt
jemand einen starken Glauben, so wird ihm Allah auch eine Prüfung
schicken, die ihm entspricht. Je schwerwiegender und schwieriger
eine Prüfung ist, desto eher ist eine schnelle Entwicklung möglich.
Deshalb sind Prüfungen gut für uns und förderlich für unseren
Glauben.

Denkt nicht, mein Partner ist mir eine Last. Es ist gut so. Einer
ist dem Anderen gegeben zu diesem bestimmten Zweck.

Gott hat unendlich viele Prüfungen für seine Diener, und ihr müsst
umsichtig und aufmerksam sein, was sie betrifft.

Es gibt Prüfungen, direkt von ihm geschickt. Einige andere kommen
zu uns durch den Propheten Friede sei mit ihm und manche schickt
uns unser Scheich.

Ihr müsst bereit sein, eure Prüfungen anzunehmen, zu ertragen und
geduldig zu sein. Wenn ihr in der Lage seid, Geduld zu haben, dann
könnt ihr euch der göttlichen Gegenwart schnell nähern.

Unsere Gebete und Übungen sind die einfachen Stufen zu Allah, dem
Allmächtigen. Damit machen wir nur die gewöhnlichen Schritte auf ihn zu.
Die Prüfungen aber können uns wie Kometen beschleunigen. Ich sage
nicht wie Raketen, sondern wie Kometen! Wer seine Prüfung mit
Erfolg besteht, kann er sich wie ein Komet auf die göttliche Gegenwart
zubewegen.

Deshalb werden wir ununterbrochen geprüft, jeden Tag und jede Nacht;
und jede Prüfung ist gegen unseren Willen, gegen das, was wir uns
wünschen, und aus diesem Grund ist sie schwer zu ertragen.

Aber wenn ihr wisst, dass das, was zu euch kommt, eurer Glaubenskraft
entspricht, wird es euch möglich sein, die nötige Geduld dafür auf-
zubringen.

Nichts wird über unsere Belastbarkeit gehen. Wenn ihr in der Lage
seid, 50 Kilo zu tragen, wird man euch nicht 51 Kilo zumuten,
sondern nur 50. Wenn ihr 100 Kilo tragen könnt, werden euch nicht 101
Kilo aufgeladen werden.

Wichtig ist es, wach zu sein in jedem Augenblick. Wie ist das zu
schaffen?

Wenn Etwas auf euch zukommt, von dem ihr merkt, dass es eurem Ego
sehr missfällt, dann müsst ihr schnell begreifen, dass es eine Prüfung
ist. Wenn jemand seine Prüfungen erkennt, wird er Gott zugewandt
bleiben und Geduld aufbringen können. Solange ihr geduldig seid,
schreitet ihr voran.

Wenn ihr versteht, dass dies eine Prüfung ist und sie so ertragt, in
diesem Bewusstsein, wird es beim zweiten Mal schon leichter für euch
sein.

Diese Schritte bringen euch den himmlischen Stationen entgegen.
In unserer Tariquat legen wir großen Wert darauf, achtsam zu sein,
was die Prüfungen betrifft, und darüber nachzudenken.
Bei jeder Gelegenheit müsst ihr euch sagen: "Dies ist vielleicht eine Prüfung.“
Manchmal habt ihr eine plötzliche Eingebung dass ihr jetzt geprüft
werdet, mit dem was da auf euch zukommt. Seid geduldig.

Ihr werdet durch eure Kinder geprüft, durch eure Frauen und Männer,
eure Nachbarn, eure Chefs, durch den Staat, durch Tiere... Es gibt
die unterschiedlichsten Arten der Prüfungen — solange wie ihr
geduldig sein könnt, habt ihr gewonnen.

Der Großscheich (Allah segne ihn) sagte: ,,Jeden Tag blickt ein
wirklicher, autorisierter Großscheich auf seine Schüler, 3 mal täglich.
Kein gewöhnliches Schauen, nein. Er schickt ihnen eine unangenehme
Sache, uns sie werden beobachtet, ob sie tragen oder verweigern.
Es ist kein Vergnügen, Es ist immer sehr unangenehm für unsere Egos.
Man sieht euch zu, ob ihr das Geschickte annehmt oder nicht; wenn ja,
kommt ihr voran, wenn nicht, bleibt ihr da, wo ihr seid, oder fallt
sogar zurück.

So ist auch Verhalten und Handeln von Abu Yazid zu verstehen, einer
der Großscheichs unserer Tariquat, der sich dazu anhielt, in jeder
Situation in seiner Familie, mit seinen Kindern, seiner Frau, Ruhe
zu bewahren und milde und geduldig zu sein. Später bezog er seine
Umgebung, seine Stadt mit ein und ging um zu sehen, was ihm dort an
Unannehmlichkeiten begegnen würde und ob er bereit war, es auf sich
zu nehmen oder nicht. Als er in der Lage war, alles anzunehmen, was
ihm dort begegnete, sagte er sich:“ Hier an meinem Heimatort ist es
leicht, die Menschen kennen mich und respektieren mich und machen es
mir nicht so schwer. Ich muss fortgehen in ein fremdes Land, wo mich
niemand kennt und dort sehen, ob ich diese Menschen auf mich nehmen
kann.“

Ein Schüler soll sich bemühen, die göttlichen Eigenschaften zu erlangen,
versuchen so zu sein, wie Gott ist in Seiner Wesenheit.
Die gesamte Menschheit wurde geschaffen, um Diener Allahs des
Allmächtigen zu sein. Die gewöhnlichen Menschen weigern sich zu dienen.
Sie dienen nur sich selbst. Sie haben nichts im Sinn als ihre Egos zu
erfreuen. Sie mühen sich und arbeiten nur für ihre Egos, für niemand
sonst.

Aber wir alle sind seine Diener, denn am Tage der Versprechen haben
wir versprochen gehorsam zu sein. Dieses Wort haben wir gegeben in
der spirituellen Welt. Doch kaum haben wir dieses Leben begonnen,
sagen wir: ,,Du denkst, wir folgen Dir, unser Wort wurde in der anderen
Welt gegeben, nicht hier. Wir sagen nein.

Allah der Allmächtige trägt uns, obwohl wir nur gegen Seine Gebote
handeln. Er trägt uns. In einer Sekunde könnte er alle Menschen
hinwegnehmen und töten. Aber Er trägt Seine Diener, uns alle, Gläubige
und Ungläubige.

Ein wirklicher Diener, der sich bemüht seinem Herrn zu gefallen, muss
geduldig sein und dessen Diener tragen.

Deshalb ging Abu Yazid, der Großscheich, fort aus seiner Heimat, in
fremde Länder und Städte um zu sehen, ob er bereit dazu war.
In unserer Zeit tragen sich noch nicht einmal die Eheleute gegenseitig.
Der Mann ist nicht fähig seine Frau, und die Frau nicht in der
Lage ihren Mann zu tragen. Es gibt nur unsinnigen Kampf und Streit.
Und es wurde uns doch befohlen die göttlichen Eigenschaften in uns
zu verwirklichen. Allah der Allmächtige trägt uns alle, und wie reden
die Menschen! Sie haben keinen Glauben, sagen sogar, es gibt keinen
Gott. Er aber schickt noch immer Seine Gnade, schneidet uns nicht ab.

Wir in unserer Zeit sind harte und schwierige Menschen. Jeder von
uns, Männer wie Frauen. Wir sollen die Eigenschaften unseres Herrn
erlangen, der alle trägt. Warum tragen wir nicht einmal uns selbst?
Das ist Tariquat, gutes und richtiges Benehmen. Du musst tragen ,
nicht dich ärgern und zornig werden.

Vielleicht wendet sich dieser Mensch später seinem Herrn zu. Du weißt
es nicht oder vielleicht hat jener eine geheime Stellung unter den
Menschen. Du weißt es nicht, kannst es niemals wissen. Es gibt welche
auf denen die Last der Menschheit lastet.

Abu Yazid ging und prüfte sich, ob er bereit war, die Menschen zu
tragen, die Diener Seines Herrn.

Dies ist eine schwere Zeit und die Menschen sind so schwierig geworden,
dass sie nicht einmal einen Menschen tragen wollen, ihre Frau
oder ihren Mann. Ihre Egos lassen nicht mehr zu, dass sie dem Anderen
Recht geben.

Der Weg, Tariquat ist rechtes, gutes Benehmen. Das beste Benehmen
ist zu versuchen, die göttlichen Eigenschaften zu erlangen, und eine
dieser Eigenschaften ist es, in der Lage zu sein, Menschen zu tragen.
Auch die Propheten haben getragen. Denkt an Noah, der 950 Jahre lang
sein Volk getragen hat. 950 Jahre haben seine Prüfungen gedauert.
Wir beklagen uns so schnell und dabei gibt uns Allah nur einen oder
zwei Menschen, die wir auf uns nehmen sollen.

Abu Yazid sagte, der Sinn der Tariquat ist es, Menschen tragen zu
lernen.

Wir sollten nicht denken, dass wir unsere spirituelle Kraft nutzen,
indem wir die Ungläubigen belehren. Das ist für uns selbst nicht im
Geringsten von Nutzen. Aber wenn ihr die Menschen lasst, wie sie sind,
Gläubige und Ungläubige, und ihre Last auf euch nehmt, sie tragt,
ist das wichtig und bedeutsam für euch.
Für Anfänger ist dies eine gute Übung, zunächst die Menschen in der
eigenen Familie zu tragen, dann die Nachbarn, und allmählich könnt
ihr den Kreis erweitern, bis ihr die ganze Menschheit einschließen
könnt und den Stand der Propheten und Heiligen erreicht habt.
Für jede Stufe gibt es entsprechende Prüfungen. Wir können
unendliche Höhen erreichen; also ist auch die Möglichkeit der
Prüfungen endlos.

Unser Großscheich erzählte die Geschichte eines Mannes aus Bursa.
Er war ein Madjub, ein Ekstatiker in Gott. Kinder erkennen solche
Leute sehr schnell, sie rannten hinter ihm her und bewarfen ihn mit
Steinen. Jedes Mal wenn ein Stein seinen Kopf traf, schlug er sich
noch dazu und sagte zu sich selbst: “Geh in dein Heimatland!“ —
Unser Großscheich Scharafuddin erzählte unserem Großscheich Abdullah
Dagistani diese Geschichte und fragte ihn nach der Bedeutung : "Warum
schlug er sich und sagte dies?" Unser Großscheich antwortete ihm:
"Oh mein Meister, du weißt es besser, aber wenn du eine Antwort
willst, so werde ich sie geben. Jedes Mal wenn ihn ein Stein an
seinem Kopf traf, sprach er die Worte seinem Herrn zugewandt und meinte
damit sein Ego, sein Nafs. Wenn jemand auf dem ganz geraden, direkten
Weg ist, dann werden ihm keine Steine nachgeworfen. So korrigiert
ihn jeder Stein und gibt die Richtung an, die zu seiner Bestimmung
führt. Das war der Grund, weshalb sich der Mann schlug und dies sagte."

Scheich Scharafuddin war sehr zufrieden mit unserem Großscheich.
Ich selbst frage niemals nach der Bedeutung solcher Geschichten, doch
ein jeder von euch sollte den Sinn verstehen und sagen können. Diese
Art von Verständnis, diese Weisheit ist nur einer Gruppe von Menschen
gegeben worden.—In diesem Sinn mag uns Allah Gelingen geben.

Wa min Allah at taufiq


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