Maulana Sheikh NazimDer Schlüssel zur Schöpfung

Dastur ya Sayyidî ya Sultan al-Auliya,
Dastur ya Rijâlallah, Maddad
(Maulânâ blättert die Seiten eines unsichtbaren Buches um und sagt auf türkisch zu dem neben ihm sitzenden Hajji Cemâl: „Laß' uns eine neue Seite anschauen!“)
Dastur ya Sayyidî, Maddad
A´ûdhu billahi min a-schaytâni-rajîm
Bismillahi-Rahmâni-Rahîm
La haula wa la quwwata illa billahi l-´Aliyyu l-´Azîm

Allah, Allah! Ein Tag ist vergangen, dies ist ein neuer Tag und dies ist eine neue Versammlung. Der gestrige Tag ist mit allem, was darin war verschwunden und der heutige bringt eine neue Eröffnung mit neuen Ereignissen. Alles was sich heute ereignen wird, befand sich bis jetzt in den Meeren des im Unsichtbaren Verborgenen um heute in Erscheinung zu treten und wenn die Sonne untergeht, wird Alles wieder verschwinden. Kun Tâliban! Wir sitzen hier, um etwas zu lernen, denn zu lernen ist eine Ehre für die Menschheit und der schlimmste Zustand des Menschen ist der Zustand der Unwissenheit. Das ist die niedrigste Stufe, die Ebene der Unwissenheit. Und der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – hat gesagt: „ Rutbatu l-´ilmi a´alâ rutâb“ , es gibt keine höhere Ebene als die Ebene derer, die Wissen besitzen. Entsprechend der Stufe ihres Wissens wird ihnen Ehre zuteil, das Wissen ist das, was der Menschheit Ehre verleiht und ohne zu lernen könnt ihr kein Wissen erlangen! Und auf euch selbst gestellt könnt ihr nichts lernen, ihr braucht jemanden, der euch lehrt, einen Lehrer. Keiner kann von alleine lernen. Ihr müßt versuchen, zu lernen! Wissen kann man nur durch Lernen erlangen und die Ebenen des Wissens sind ohne Zahl und grenzenlos. Wir befinden uns in diesen Tagen in der Endzeit, der Endzeit dieser Welt und derer, die darauf leben, ihr Ende naht. Eine Veränderung steht bevor, die nicht für uns, für die Menschheit, die seit den Zeiten Adams – Friede sei mit ihm – auf der Erde lebt, bestimmt ist. Dieses Zeitalter geht gerade zu Ende. Und auch diese Dunyâ nähert sich ihrem Ende. Allah der Allmächtige wird sie weiter benutzen oder auch nicht, vielleicht wird Er sie zurück in die Meere des im Unsichtbaren Verborgenen schicken, aus der sie einst gekommen ist oder Er wird sie sichtbar bleiben lassen in ihrer scheinbaren Existenz. Doch tatsächlich besitzt Nichts eine wirkliche Existenz. Wirkliche Existenz besitzt nur der Schöpfer, Geschöpfe besitzen niemals wirkliche Existenz. Es ist nur ein Schauspiel der Meere der Macht und Allah der Allmächtige verfügt über unbegrenzte Meere der Macht. Er ist der Mächtigste, Er ist der All-Mächtige. Seine Existenz braucht Nichts und Niemanden um zu existieren, Er besteht aus sich selbst heraus in wahrer, wirklicher Existenz. Er bedarf keinerlei Unterstützung, um in Seiner göttlichen Stellung zu bestehen. Er ist der Lobpreiswürdige, doch Sein Lobpreis gehört Ihm selbst, Er erhält Seine Lobpreiswürdigkeit von niemand anderem, nein! Uns ist befohlen, Ihn zu lobpreisen, doch Er bedarf unserer Lobpreisungen nicht, denn unser Lobpreis ist Nichts. Garnichts! Niemals gehen sie über Null hinaus um Eins zu erreichen. Die Eins weigert sich, irgend etwas in sich aufzunehmen, das von außerhalb kommt. Er beinhaltet allen Lobpreis in sich selbst und mit sich selbst, von Ewigkeit zu Ewigkeit ist Sein Lobpreis von Ihm selbst für Ihn selbst. Wir als Geschöpfe besitzen Existenz nur innerhalb Seiner Schöpfung und Er akzeptiert niemals einen Partner. Logisch ist es unmöglich, daß Allah der Allmächtige einen Partner hat, denn ein Partner müßte gleichwertige Fähigkeiten und Eignungsmerkmale besitzen wie Er und Sein erstes Merkmal besteht darin, daß er Einer ist. Wenn es daneben noch einen weiteren gäbe, wären es aber Zwei. Damit sind wir schon am Ende, denn Er kann nicht Zwei sein! Deshalb ist es falsch, bâtil , zu behaupten, Allah besäße irgendeinen Partner. Sowohl von der Logik her als auch in Wirklichkeit ist es unmöglich, daß noch ein Anderer außer Allah dem Allmächtigen existiert.

Wir sind nur Erscheinungen! Wenn ihr Fernsehen schaut, tut sich nichts auf dem Bildschirm solange das Gerät nicht eingeschaltet ist. Sobald ihr die Fernbedienung betätigt, erscheint etwas. Das, was da zu sehen ist, ist es in Wirklichkeit in dem Fernseher oder außerhalb davon oder wo sonst? Ihr könnt so viele Dinge darin sehen aber ihr werdet sicher nicht behaupten, daß die Menschen, Bilder oder Ereignisse darin real sind. Nein! Aber trotzdem, wenn wir hinschauen, sehen wir etwas. Und es hat keine räumliche Ausdehnung, es paßt alles in diesen Bildschirm, auch wenn ihr so viele, zahllose Dinge sehen könnt, jedesmal wenn ihr den Kanal wechselt kommt wieder etwas anderes. Man kann nicht sagen, daß es existiert, man kann aber auch nicht sagen, daß es nicht existiert. Und all diese Erscheinungen werden von Menschen mit ihren Fähigkeiten produziert. Die ganze Welt ist auf diesem Bildschirm zu sehen. So weit reichen unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten. Doch wir werden niemals Allah auch nur annähernd ähnlich sein können, keiner kann die Fähigkeiten besitzen, die Er besitzt! Die Erscheinungen, die Er erschafft erscheinen uns real. (Maulânâ faßt die Kissen an, auf denen er sitzt, klopft an die Wand, greift schließlich Scheikh ´Umars Hand und sagt:) Hier, Scheikh ´Umar! Er ist da! Fleisch und Knochen! Das kann nur Allah! Die Menschheit ist höchstens in der Lage, etwas auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen. Und keiner wird widersprechen, wenn ihr sagt, daß es eigentlich nicht real ist, was ihr darin seht, auch wenn vielleicht jemand sagt: „Doch, doch, wir sehen es doch darin!“ Manchmal werden wir gefilmt und wenn es dann auf dem Bildschirm zu sehen ist, sagt man: „Oh, da ist der Scheikh! Oh, da ist Scheikh ´Umar! Schau, da sind die Europäer! Guck mal, ihre Majestät, die Königin!“ Und da bin ich zu sehen, wie ich ihnen die Hände schüttle, bete, komme oder gehe, esse, sitze und keiner wundert sich darüber und sagt, daß ich gar nicht dort sondern hier bin, nein! Alle sagen: „ Das ist er.“ „Wenn er das da ist, wer sitzt dann gerade hier?“ Wenn der Strom abgeschaltet wird, dann ist es zu Ende!

Die Schöpfung Allahs befand sich in Dunkelheit, in dunkler Nacht. Ohne elektrisches Licht und ohne Mond, könnt ihr da etwas von der Schöpfung sehen? Ihr könntet sagen: „Vielleicht sitze ich inmitten eines Meeres oder einer Wüste.“ Es ist unmöglich zu beweisen, daß du dich inmitten einer riesigen Stadt mit so vielen Bewohnern und Gebäuden befindest. Du könntest weder beweisen, daß du in einer Wüste, in einer Großstadt oder inmitten eines Meeres bist! Doch wenn die Sonne scheint, bedeutet das ‚Nûr' , es ist, als hättest du den Fernseher eingeschaltet, ohne dieses ‚Nûr' kann nichts auf dem Bildschirm erscheinen. Sobald das Licht angeschaltet ist, kann man etwas sehen. So hat die gesamte Schöpfung in dem Moment angefangen zu existieren, als Allah der Allmächtige Sein Licht geschickt hat. Wenn ‚Nûr' weggenommen wird, ist es, als hätte man bei einem Fernseher den Strom abgeschaltet. Wenn man ihn wieder einschaltet, wenn ‚Nûr' erscheint, kann man wieder etwas sehen, denn ohne Licht kann man nichts sehen! Die gesamte Schöpfung war in Dunkelheit und als Allah wollte, daß sie in existieren solle, sandte Er göttliches Licht und sie trat Erscheinung. Und diese Erscheinungen sind endlos, es gibt keine Grenze. Ihr, die ihr so schwach seid, seid in der Lage einen Fernseher zu erfinden, der vierundzwanzig Stunden am Tag Bilder zeigt, solange das Licht oder der Strom an ist; was ist dann mit dem Schöpfer? So sagt Allah, daß Er als Erstes aus Seinem göttlichen Licht ‚Haqîqatu l-Muhammadiyya' erschuf, die Position der Wirklichkeit, die Schlüsselposition für die Schöpfung. Diese Schlüsselposition ist allein dem Propheten Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – vorbehalten. Das ist es, was die Wahhabîs nicht ertragen können, sie sind unfähig, das zu begreifen. Fragt sie nach dem ‚Schlüssel der Schöpfung', das ist ein neuer Begriff: Miftah al-Khilqa , der ‚Schlüssel der Schöpfung', wer ist das? Auf einem Elektro-Gerät steht immer ein Hinweis auf dem eine Voltzahl angegeben: „Betrieb nur mit 220 Volt“ oder mit 110 Volt, die Voltzahl ist begrenzt. Wenn der Strom diese Grenze der Voltzahl übersteigt, brennt das Gerät durch. Das göttliche Licht ist so gewaltig, daß es Alles verbrennen könnte. Und der ‚Schlüssel der Schöpfung' ist dazu da, daß das göttliche Licht, diese unvorstellbare, unbegrenzte Kraft, nicht alles verbrennt. Deshalb fürchtete sich der Erzengel Jibrîl, weiterzugehen, als das Siegel der Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – gerufen wurde: „Komm' näher, o mein Geliebter!“ und er den Erzengel Jibrîl aufforderte, mit ihm zu kommen, und der Engel sagte: „Nein! Ich kann nicht! Wenn ich auch nur um Haaresbreite weiterginge, würde ich verbrennen, weil dieses ‚Nûr' zu stark für mich wäre.“

Deshalb gibt es in Autos und überall, wo Elektrizität genutzt wird, Sicherungen. Die ‚Sicherung' für diese Kraft ist Rasûlullah – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden! Ohne diese ‚Sicherung' würde alles verbrennen und vernichtet. Er ist der ‚Schlüssel zur Schöpfung', doch sie sind so unwissend, daß sie alles nur von außen her betrachten und niemals versuchen, tiefer in die zugrundeliegenden Wirklichkeiten vorzudringen. Der ‚Schlüssel zur Schöpfung' öffnet entsprechend den Notwendigkeiten der Schöpfung alles, so daß es in Erscheinung treten kann.

Um ein anderes Beispiel zu benutzen: Wenn die Sonne der Erde auch nur ein wenig näher käme, würde alles verbrennen und dieser Abstand zum göttlichen Licht muß aufrechterhalten werden, „ ... wa wada´a l-mizân“ . Es muß einen Schlüssel geben, um alles abzumessen und ein Gleichgewicht zu erzeugen. Diese Schöpfung ist nicht auf Zufall aufgebaut! Alles entspricht einer bis ins Feinste abgestimmten Ordnung, die auch nur annähernd zu begreifen unsere Vorstellungskraft bei Weitem übersteigt. Käme die Sonne nur ein kleines bißchen näher, alles wäre verbrannt. Und der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – hat die Schlüsselstellung inne. Ohne diesen Schlüssel würde alles verbrennen, er ist der Schlüssel, und wenn er nicht wäre, gäbe es keine Schöpfung. Er ist Wasîla , um dies (das göttliche Licht) zu den Geschöpfen fließen zu lassen und es fließt ununterbrochen ohne Ende. Deshalb ist niemand in der Lage, die wirkliche Persönlichkeit Sayyidinâ Muhammads –Segen und Friede Allahs seien auf ihm - zu begreifen.

Einmal bat Sultân al-´Ârifîn Abû Yazîd al-Bistâmi Allah darum, ihm Verständnis der wahren und wirklichen Persönlichkeit Sayyidinâ Muhammads - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – zu gewähren. Als er gerade darum gebeten hatte erschien vor ihm eine Tafel mit einer Warnung: „Sei gewarnt! Zwischen dir und seiner Wirklichkeit liegen zehntausend Ozeane von Licht!“ Das heißt, um ihn zu begreifen, mußt ihr zehntausend Ozeane von Licht durchqueren. Und Abû Yazîd – möge Allah ihn segnen – sagte: „ Hamamtu , ich richtete meine geistige Kraft und das Streben all meiner spirituellen Kräfte darauf aus, mit der Durchquerung des ersten dieser Licht-Ozeane zu beginnen, als mir eine zweite Tafel mit einer Warnung erschien, auf der stand: ‚O Abû Yazîd, geh' nicht um Haaresbreite weiter, sonst wird das Licht dich verbrennen und alles andere mit dir!“ Das heißt, daß seine (des Propheten) wirkliche Persönlichkeit nicht zu begreifen ist! Nur Allah kennt sie. Und er ist der Schlüssel zur Schöpfung. Wenn ihr sie (die zehntausend Licht-Ozeane) durchquert und sein Wesen begriffen habt, könnt ihr vielleicht von dieser Ebene aus einen Weg finden, die Position des Herrn der Himmel zu begreifen, ohne allerdings jemals ein vollständiges Verständnis erreichen zu können. Erst müßtet ihr diese zehntausend Ozeane göttlichen Lichtes hinter euch bringen, um schließlich den Punkt der Wirklichkeit Sayyidinâ Muhammads – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - zu erreichen, dann würde etwas sichtbar werden. Doch all dies wird sich immer im Bereich um Null bewegen! Abû Yazîd hielt an diesem Punkte (beim ersten Ozean göttlichen Lichtes) inne und ging keinen Schritt weiter und er war Sultânu l-´Ârifîn . Doch die Menschen von heute sind so unwissend, daß sie sagen: „Muhammad, er war nur ein Bote!“ und ich habe gehört, daß jemand gesagt hat: „Er ist nur so etwas wie ein (Büro)Bote, den ein Direktor zu seinen Angestellten oder ein Minister zu seinen Beamten schickt. Einer, der Botschaften hin- und herträgt.“ Das ist ihr Verständnis. Sie nähern sich niemals auch nur im Geringsten der Ebene von Verständnis auf der wir uns hier bewegen, nämlich daß er der ‚Schlüssel zur Schöpfung' ist. Ohne sein Dasein erscheint nichts in der Existenz. Seit wann? Seit es geschrieben steht: ‚ La ilâha illallah' und ‚ Muhamadu Rasûlullah ' direkt daneben. Die Schöpfung, das Erschaffen, es hört nie auf, es geht immer weiter, Allah sitzt nicht mit verschränkten Armen da und tut nichts, nein! Seine Eigenschaften bestehen ununterbrochen und keiner weiß etwas über sie in Bezug auf Zeit, sie unterliegen nicht der Zeit. Der Prozeß der Erschaffung geht in einem fort, er geht immer weiter, immer weiter. Ihr müßt sagen: SubhânAllah! Subhâna Mâliku l-Mulk dhu l-Jalâli wa l-Ikrâm! Subhâna Mâliku l-Mulk dhu l-Jalâli wa l-Ikrâm wa l-´Izzati latî la turâm!

(Maulânâ wendet sich an den neben ihm sitzenden Scheikh Úmar:) Wir wissen nichts, Scheikh ´Umar, und die Menschen laufen Dingen hinterher, die keinerlei Wert besitzen, sie versuchen auch gar nicht, etwas zu verstehen. Dabei ist es so einfach: (Maulânâ zeigt auf die Tür) Ohne Schlüssel kann man nicht hereinkommen und er (der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – ) ist der Schlüssel zur gesamten Schöpfung, von Vorewigkeit bis in die Ewigkeit.

Möge Allah uns vergeben und uns rechtes Verständnis gewähren, welches uns viel mehr Licht gibt durch welches wir uns dem Wohlgefallen und der Zufriedenheit Allahs des Allmächtigen nähern können! Um der ehre des Meistgeehrten in der göttlichen Gegenwart, Sayyidunâ Muhammad willen,

al-Fâtiha

Lefke, 16.11.2003, transcribed and translated by Abd al-Hafidh Wentzel



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