Maulana Sheikh Nazim"Sei nicht der Esel deines Esels!"


Sheikh wurde gebeten, eine Hochzeitszeremonie für zwei Paare zu vollziehen, die kürzlich die Shahada abgelegt hatten. Der erste Mensch war als „Gentleman“ erschaffen worden, so daß die erste Frau zur „First Lady“ wurde. Deshalb redete Adam seine Frau mit den Worten an: „O meine ehrenwerte Frau“, und er sagte, daß sie ihn anredete: „O mein ehrenwerter Mann.“ So ist es die erste Sunna, seine Frau hochzuachten, und für eine Frau, ihren Mann hochzuachten. Daran müßt ihr euch halten, denn alle, die die Göttliche Gegenwart erreichen wollen, müssen Disziplin halten. Ohne Disziplin ist es nicht möglich, in die Göttliche Gegenwart zu gelangen. Und es ist die erste Pflicht zwischen Männern und Frauen, sich gegenseitig zu achten und sich gegenseitig Wert zuzumessen, und auf Achtung folgt Liebe. Die, die sich achten, werden Liebende sein. Die gegenwärtigen Menschen alle haben dies vergessen. Niemand sagt: „O meine ehrenwerte Frau, meine Lady.“ Du mußt sagen: „Meine Lady“ – und was sagst du? „O mein ehrenwerter Mann“, „mein Gentleman“ – das mußt du sagen. Jener Befehl ist der erste Befehl und die erste Pflicht und Disziplin für Diener des Herrn der Himmel. Und jetzt machen wir mit dieser Heirat weiter ... Nach der Verheiratung fährt er fort – Der frisch verheiratete Bräutigam hatte gefragt: Wie können wir diese Teufel bezwingen? –: Es liegt an euch. Ihr seid damit geehrt worden, Bevollmäch- Photo aus: Trenker: Berge und Heimat, Gütersloh 1953. 2 tigte Allahs des Allmächtigen zu sein, und Er gab euch Willenskraft, benutzt sie und fürchtet euch nicht! Gebraucht eure Willenskraft und fürchtet euch nicht! Die Leute, die ihren guten Willen nicht benutzen, werden notwenigerweise fallen. Wenn ich sage: „Tritt hier nicht hin, denn hier drunter ist ein Loch“, und er sagt: „Macht nichts“, so wird er hineinfallen müssen. Der Herr der Himmel sagt zu uns: „Tritt da nicht hin, du könntest fallen!“ Und du sagst: „Macht nichts, denn mein Ego möchte das gern.“ Eh! Wenn dein Ego das mag, dann fall, oder steige auf das Minarett und spring – weil dein Ego gern fliegen möchte. Wenn du aber keine Flügel hast, mußt du hinunterfallen. Was sollen wir tun? Die Leute denken, sie könnten glauben, was ihr Ego behauptet, daß, wenn man sich vom Tower in London hinabstürzt, wie eine Krähe werde fliegen können. Es gibt da einige Leute in unserem Land, ihr Name ist „Laz“ – und kaz heißt „Gans“, oder Ente? Gans. Wir sagen kaz für Gans. Und Laz meint: „Wenn kaz fliegen kann, so muß Laz auch fliegen“, und dann springt er. Der fliegen kann ist kaz, er aber ist Laz – dieser ist ein Mensch, jener ein Vogel. Wenn man keinen Unterschied zwischen Laz und kaz macht, zwischen Mensch und Gans, so wird jener hinabstürzen. Er wird sagen: „Wie kann das sein? Das ist kaz, ich bin Laz – es ist doch nur ein Buchstabe Unterschied; ich muß auch fliegen!“ Al-hamdu lillah, er stürzte sich vom Felsen ins Meer, in einen See – nichts passierte. Er schwamm und kam wieder heraus, aber er hatte gelernt, daß kaz wohl fliegen mag, nicht aber Laz. Das ist eine gute Lehre für einen jeden: Was dem Menschen zur Verfügung steht, das soll er nutzen, alles aber, was ihm nicht offensteht und untersagt oder verboten ist, von dem muß er wissen, daß ihn – oder sie – sicherlich ein Schaden treffen wird. Vielleicht sogar etwas Tödliches – benutze es nicht! Den Herrn der Himmel trifft kein Schaden, selbst wenn alle Menschen falsche Dinge täten, er trifft vielmehr die Menschen selbst. Deshalb bringt Er eine himmlische Disziplin und sagt: „Tut das nicht!“ Aber ihr benutzt nicht euren Verstand und euren guten Willen, so daß ihr Strafe auf euch zieht. Und diese Bestrafung kommt von euch selbst und trifft euch, sie ist nicht von Ihm gegen euch gerichtet, sondern kommt von euch selbst auf euch selbst! Nicht von Ihm, sondern von euch. Heutzutage sagen die Leute: „Wir sind frei!“ Nein, ihr seid nicht frei, ihr seid Sklaven eures Egos. Was euer Ego euch befiehlt, das befolgt ihr. Ihr seid stolz, eurem Herrn nicht zu folgen, vielmehr folgt ihr eurem Ego. Dem Herrn der Himmel nicht zu folgen, bedeutet, seinem Esel zu folgen, seinem Pferd, seinem Tier; denn das Ego repräsentiert unseren Esel, und Allah gab ihn uns, damit wir auf ihm reiten. Er wollte nicht, daß ihr der Esel eures Esels seid. Viele Leute, die meisten Menschen, sind die Esel ihrer Esel. Wenn es dir gelingt, dein Ego zu kontrollieren, dann hat es so eine Kraft, daß es dich vom Tiefsten zum Höchsten bringen kann. Doch mußt du es kontrollieren, das kraftgewaltige. Es ist nicht für nichts, sondern für etwas. Doch alle Menschen des heutigen 20. Jahrhunderts sind dabei, Esel ihres Esels zu sein, und sie sagen: „Wir sind frei!“ Wo seid ihr frei? Nein. Eh! – Wir sind frei – für’s Frühstück? Ah. Jeder macht sich seinen eigenen Weg? Nein. Da gibt es eine Disziplin, eine himmlische Disziplin. Als ich betete, hatte ich eine Eingebung: Ich schaute auf Leute, verschiedene Farben, Formen, Kleider kommen auf mich zu. Es sieht aus, als hätte Ihre Majestät die Königin sie zu einer Gala-Nacht gebeten, und auf der Einladung steht geschrieben: „Frack erbeten“. Sie mögen so gehen, irgendwie? Nein. Aber jetzt wollen sie gern, so wie sie sind, aufsteigen. Das geht nicht. Raketen – wenn eine Person in eine Rakete geht, um hochzusteigen, wird diese Kleidung erlaubt sein – eh? Glaubst du das? Mit den Haaren so? Und wie ihr es mögt, Hüte zu tragen mit den Haaren so und Dingen darin? Wißt ihr, ob es ein Mann oder eine Frau ist? Aber sie sagen mir: „Du mußt uns akzeptieren, wie wir sind.“ Ja, ich akzeptiere, aber erlege euch meine Disziplin auf. Ich verlasse euch nicht einfach, wenn ihr die Shahada gesagt habt, nein! Ich komme auch mit einer Peitsche für eure Egos, die verwahre ich! Ich verstecke sie – zuerst für K. Und manchmal nehmen sie mich mit ins Krankenhaus zum Besuch einiger Patienten, und sie sagen: „Sheikh, sie haben das auf meine Wunde getan, dann dies hier und das ...“ Wozu ist das? Wofür – für diese Krankheit ist es gut, und bei einer Operation im Operationsraum wird der Arzt da, so wie er ist, eintreten? Aber heutzutage haben die Menschen schlechte Gewohnheiten, sie sprechen von Freiheit. Nicht Freiheit, Disziplin ist gefordert. Jeder muß das lernen, der es schaffen will. Wer es nicht will, bleibt ein Krokodil und sieht aus wie ein Krokodil. Danke schön für Eure Aufmerksamkeit. Aber wir sind jetzt am Anfang, wir sind Kindergarten- Leute – macht nichts. Wenn wir ein bißchen weiter kommen, dann halte ich meinen Stock für euch bereit.
Glastonbury, 4.2.1999 engl. von Hana’ Horack, dt. von Hagar Spohr
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