Wo ist unsere Identität?


Er hat in Trabzon als Gouverneur gewohnt. Das
war vor 200 Jahren. Es ist Allahs Weisheit, dass er
dort eingesetzt wurde. Dort hat er geheiratet und sie
hierher gebracht. Er hat jemand von den Kazzade
geheiratet. Unsere Zyprioten haben aus Kazzade
Kargazade gemacht. Wir sind zu Kargazade geworden.
Was sollen wir machen. Ist etwa jeder, den
man sieht vom Schwarzen Meer? Eh, ich bin vom
Schwarzen Meer, aber jetzt bin ich ins Mittelmeer
gefallen, sage ich. Wie nennt man denjenigen, der
auf dem Schiff nach den Maschinen schaut?
Gast: Man nennt ihn den ersten Maschinisten.
S. N.: Sagt mal ehrlich, ob man durch Wahlen den
ersten Maschinisten bestimmen kann.
Gast: Das geht nicht.
S. N.: Sie bestimmen den Präsidenten durch Wahlen,
den Ministerpräsidenten, den Winterpräsidenten.
Was ist das alles? Dieser Herr hier ist Professor.
Darum haben sie ihn die Erklärung abgeben lassen
(…) Kann der erste Maschinist durch Wahlen bestimmt
werden?
Gast: Nein, das geht nicht.
S.N.: Kann der Steuermann durch Wahlen bestimmt
werden?
Gast: Das geht auch nicht.
S.N.: Die haben den Mann für das Steuer gewählt.
Er hat das Schiff gesteuert und gesteuert und dann
irgendwo angehalten. Die Leute haben gefragt:
Fährt das Schiff nicht weiter? Wo ist der Steuermann?
Oder sind wir angekommen? Wir sind nicht
angekommen, aber das Meer ist hier zu Ende. Darum
stehen wir hier. Das, was sie Demokratie nennen
ist eine Idiotie. Wir bringen aus den Bergen
einen Mann und hinterher noch etliche Spitzbuben.
Das soll die Regierung sein. Ist meine Feststellung
falsch, Herr Professor? Manchmal spreche ich es
aus, manchmal bin ich verärgert. Die Leute können
nicht einmal eine Melone aussuchen. Die sagen
dem Angestellten im Geschäft: Du suchst eine Melone
aus. Ich verstehe nichts davon. Eine Melone
können sie nicht aussuchen. Wieso lässt du einen
wählen, der nicht einmal eine Melone aussuchen
kann? 700 Jahre haben unsere osmanischen Vorfahren
regiert. Hat man sie etwa gewählt? Eine Fläche
von 25 Millionen Quadratkilometern, auf drei Kontinenten.
Ein 700 jähriges Reich hat Abdulhamid
Han, der letzte hochselige Herrscher, ihnen hinterlassen,
diesen niedrigen Anhängern der Union. Als
sie die Regierung an sich gerissen haben, war das
Reich fünfeinhalb Millionen Quadratkilometer
groß. Er hat ganz alleine 33 Jahre lang das Reich regiert.
Und dann haben die aus Thessaloniki kommenden,
bulgarischen (…), Zigeuner, irgendwelche
Gestalten, innerhalb von 10 Jahren das 700 jährige
Reich zerstört. Das Meer endet hier, Herr Direktor.
Die sind alle ohne Schnäuzer, die ganzen Herren.
Hatten die Osmanen etwa keinen Schnäuzer? Oder
wächst euch kein Schnäuzer? Einmal hieß es: Ich
werde dich verwünschen. Wie denn? Ich werde so
eine Verwünschung aussprechen, dass du von der
Last des Rasierens befreit wirst und wie ein Baby
wirst im Gesicht. Oh nein Scheikh Efendi bloß
nicht. Lieber rasiere ich mich täglich, morgens und
abends. Nein, ich spreche keine Verwünschung aus,
sondern wünsche etwas Gutes. Es soll nicht ein einziges
Haar mehr wachsen in deinem
Gesicht. Mach das bloß nicht! Man
weiß nicht, ob deine Verwünschungen
angenommen werden. So ist das jetzt.
Gesetz über die Bekleidung. Gesetz
über die Kopfbedeckung. Gesetz über
die Schrift. Neugestaltung. Haben wir nichts anderes
zu tun! Unter Zwang Hüte tragen, unter Zwang
den Turban verbieten, unter Zwang Derwischzentren
schließen. Darüber spreche ich. ‚Das wird sie
verärgern und Sie werden denen nicht
gefallen‘. ‚Wem ich gefallen habe, die
Person hat mich genommen und dann
wieder gelassen und ist von mir gegangen‘.
Das antworte ich. Gib mal diese
Fotos. Das ist Erzurumi, schauen Sie
einmal. Salih Efendi, ein Gelehrter. Bevor Sie geboren
wurden haben wir uns in Damaskus getroffen,
auf dem Weg nach (...) Er ist ein gesegneter
Mensch, Salih Efendi. Das hier ist das Innere der
Kaaba. Ich werde Ihnen etwas zeigen,
ein historisches Dokument. Was steht
dort geschrieben?
Gast: Leichenumzug der Mevlevi während
des Unabhängigkeitskrieges.
S.N.: Das sind die Orden. Sie haben
alle geschlossen, auf einmal. Wer hat es ihnen erlaubt?
Sieh hin. Sie wurden geopfert. Es ist nichts
geblieben. Seine Schüler hat er nicht an die Front
geschickt. Schau wie gut es erklärt ist. Unsere Identität
ist jetzt nicht mehr deutlich. Wir haben keine
Identität mehr. Das Osmanische Reich(…) Schau
dir das Exerzieren an. Sie haben die Flöte geblasen
und haben exerziert, wenn sie an die Front gegangen
sind. Wir haben unsere Identität verloren.
(..) Wir waren bis 1923 ein Land,
das durch den Sultan regiert wurde. Ein
Sultanat. Die Herrlichkeit des Osmanischen
Reiches. T.C. Staatsangehörige*.
Bitte nehmen Sie es mir nicht übel. Was
kann man machen, man muss es sagen. Wenn du
ein monatliches Gehalt geben willst, gib es nicht.
Was Allah gibt, ist genug. Wenn ich darüber
schimpfe, ist es nicht schlimm. Meine Taten werden
nicht mehr aufgeschrieben. Meine Herren,
halten Sie hier fest. Bayat. Dua. Wir
haben uns in Medina getroffen. Er hat zu
mir gesagt: Nazim Efendi. Tarikat, das ist
Sohbet. Sagen Sie etwas. Nein, ich sage
nichts. Wenn du es befiehlst, sage ich etwas.
Du musst es aushalten können. Ich werde es
aushalten. Ich fing allmählich an und habe es gesteigert.
Er hat das in seinem ganzen Leben nicht gehört.
Langsam, langsam habe ich begonnen. (..)
Noch eine Geschichte und noch eine.
Scheikh Effendi erlaube bitte, das ich
meine Unterwäsche wechsele. Er hat unter
sich gemacht.

Betet für mich.

Lefke, 10.05.2011, aus dem Türkischen übersetzt von Hediya


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*T.C. Türkiye Cumhuriyeti = Türkische Republik
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