Maulana Sheikh NazimUnterscheide Freund und Feind
Möge Allah uns nicht zu Unwissenden machen, denn Unwissenheit und Unbedachtheit sind der Ursprung aller Unterdrückung und Dunkelheit. Der Zustand der heutigen islamischen Welt rührt von ihrer Gleichgültigkeit her. Bis zum Unglauben bringt die Achtlosigkeit (ghafla) die Gläubigen. Um sich vor ihr zu schützen, muß man zuerst Freund und Feind unterscheiden können.
Schaitan hat die Muslime so lange an der Nase herumgeführt, bis er glaubte, er habe vom Islam nichts mehr auf der Erde übriggelassen. Jetzt benutzt er neue Taktiken für neue Muslime, um den Islam zu zerstören. Er versucht, möglichst viele von den Menschenkindern zu seinen Helfern zu machen. Den Gläubigen hat er die Heuchler untergemischt. Die Heuchler werden bis zum Jüngsten Tag selbst in Medina Munawwara nicht fehlen. Obwohl dies die heilige Stadt in Arabien ist, in der der Prophet Muhammad* begraben liegt, kann dort kein rechtgläubiger Muslim jetzt seinen Mund aufmachen. Die Gläubigen sind nun so weit, daß sie die Freunde für Feinde und die Feinde für Freunde halten; dabei ist ein Gläubiger bei Allah mehr wert als das ganze Universum. Wie sind all die Gläubigen in die Hand von ein paar Teufeln gefallen? Nur weil sie Freund von Feind nicht unterscheiden konnten.

Als Gott Mose fragte: Was hast du für mich getan?, da antwortete er: Ich habe gebetet, gefastet, Almosen gegeben, die Pilgerfahrt gemacht und Dein heiliges Buch rezitiert. - O Mose, das hast du alles für dich selbst getan. Hast du jemanden geliebt um meinetwillen, o Mose, oder jemanden verlassen? Liebe um Allahs willen und verabscheue um Allahs willen. Wie kannst du jemanden lieben, den Allah nicht liebt? Wie könnt ihr ihm folgen? Wieso habt ihr euch nicht Allahs Freunden und geliebten Dienern angeschlossen? Wenn wir die von Allah Geliebten lieben und die von Ihm Verabscheuten verabscheuen, wird Allahs Hilfe und rettende Hand eingreifen und uns zur Seite stehen. Die Gemeinschaft ist selbst schuld an ihrem Zustand, nicht einzelne Leute.

Unter den Muslimen gibt es welche, die selbst die Liebe zum Propheten* als Götzendienst (schirk) bezeichnen und sie verbieten. Dabei ist uns die Liebe und der Respekt zum Propheten* und den Heiligen befohlen. Aber sie sagen, dies sei bida, das heißt eine unerlaubte Neuerung in Glaubensdingen. Wir müssen solche Leute verabscheuen und ausstoßen, sonst kommt uns die Hilfe der von Allah Geliebten nicht zugute. Was war die Strafe für den Samiri, der das goldene Kalb gegossen hatte, während Mose auf dem Berg Sinai war? (vgl. Sure Ta Ha, 20:85 ). Seine Strafe war, ausgestoßen zu werden, keiner durfte mit ihm reden, ihn grüßen, ihn in die Gemeinschaft aufnehmen. Das soll eine Lehre für uns sein.
Im Iran ging einmal jemand in eine Bäckerei und fragte: Habt ihr Brot? Er bekam zur Antwort: Wie heißt du? Omar? Nein, kein Brot mehr. Alle Läden sagten: Kein Brot für Omar. Denn Omar war kein Schi’it, und deshalb gab man ihm kein Brot. Und wir nehmen jene Teufel auf wie Brüder und zeigen ihnen keine Ablehnung. Bayazid al-Bistami, ein großer Heiliger und ein Meister in der ‘Goldenen Kette’ des Naqschbandi-Ordens, kam zu einer Moschee. Nach dem Gebet fragte der Vorbeter ihn, wovon er lebe. Er antwortete: Dich habe ich für einen Muslim gehalten, dabei weißt du nicht, wer Der ist, Der uns versorgt. Ich muß erst mein Gebet wiederholen, dann reden wir weiter.

- 01.01.1987
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