Maulana Sheikh NazimV.I.P. Oder Ehre in der göttlichen Gegenwart

Gott der Allmächtige hat die Menschen geschaffen und ihnen Ehre
gegeben, vor allen Geschöpfen.
Wird ein Mensch von Allah geehrt, so ist er ehrenhaft. Die Ehre
dagegen, die sich die Menschen untereinander geben, ist nichts.
Deshalb sollt ihr nach eurer Ehre verlangen und nicht nach der
Hochachtung der Leute.

Was wir wissen müssen ist, daß es Bedingungen gibt, die den
Menschen die Ehre in der göttlichen Gegenwart erreichen lassen.
Kennen wir diese nicht und versuchen, ohne dieses Wissen die Ehre
Gottes zu erlangen, so werden wir scheitern.

Wenn jemand fällt, so kann er sich leicht die Hand brechen, den Fuß,
oder gar den Hals. Wir müssen also den richtigen, sicheren Weg ein-
schlagen, das hohe Ziel, die Ehre in der göttlichen Gegenwart zu
erreichen.

Was ist nun die Bedingung, auf diesem Weg? Die Bedingung ist, ein
gehorsamer Diener zu sein und sich nicht gegen Deinen Herrn zu
wenden.

Was ist es, das sich gegen Unseren Schöpfer, Gott den Allmächtigen
und Seine Befehle wehrt? Es ist unser Ego — von Anfang bis zum
Ende stellt es sich gegen seinen Herrn, den Allmächtigen und gegen
den Willen des Allmächtigen. Es verlangt, daß sein Wille erfüllt
wird, und das an erster Stelle, und nicht der Wille irgendeines
Anderen. Dies ist der Grund, weshalb die Menschen ihre Ehre
verlieren, unehrenhaft werden.
Wenn Gott, der Allmächtige einem Menschen die Ehre nimmt,
kann niemand ihm diese zurückgeben.

Alle Propheten und vor allem das Siegel der Propheten, der Prophet
Mohammed, Friede sei mit ihm, kamen, um den Menschen zur Ehre in
der göttlichen Gegenwart zu führen.

Der letzte der Propheten wurde uns gesandt, als Sproß eines als
unwissend bekannten Volkes. Ein Volk, ohne jede Kenntnis der Bücher,
das nicht lesen und schreiben konnte, das aus den abgelegendsten
Gebieten der Wüste kam und das unter römischer Herrschaft sowie
unter der Herrschaft der iranischen Könige gelebt hatte.

Als Mohammed erschien und sein Prophetentum erklärte und, daß er
der letzte Bote Gottes sei, mit der letzten Botschaft, dem letzten
Testament, wie wir den Koran auch nennen können, versammelten sich
die ganz einfachen Menschen um ihn. Es waren die Armen, viele Frauen
und die Sklaven, die Geringen des Volkes, die kamen und seine Botschaft
als die Wahrheit annahmen. Die Reichen und Mächtigen dagegen
brachten ihm Haß und Ablehnung entgegen. Ihnen war es durch ihre Macht
und ihren Reichtum gegeben, so zu leben, wie es ihnen gefiel. Sie
sahen nicht ein, aus welchem Grund sie ihren freien Willen und die
freie Erfüllung ihrer Wünsche einer göttlichen Disziplin opfern
sollten. Sie empörten sich darüber, daß da jemand kam ,der von ihnen
verlangte, Regeln und Gebote zu halten. Sie gaben vor, die ehrenwerten
Vertreter ihres Volkes zu sein, während es keine Ehre gab für die Frauen,
die Sklaven, die Schwachen, die Armen; denn das Maß für
Ehre war Reichtum und Macht, Und das ist heute in unserer Zeit nicht
anders.

Die Zeit des Propheten, Friede sei mit ihm, war die erste Zeitperiode
der Unwissenheit — und die heutige Zeit ist die zweite Periode der
völligen Ignoranz.

Wen Allah, der Allmächtige als Seinen Diener annimmt, der wird von
Ihm geehrt. Obgleich es Schafhirten waren, Kameltreiber, schlichte,
arme Menschen, Sklaven; Allah ehrte viele von ihnen bis zum heutigen
Tag. Wie viele der Gefährten Mohammeds gibt es, deren Namen in der
islamischen Welt bekannt sind — mehr als eine Billion Menschen
sprechen den Segenswunsch aus, wenn einer dieser Namen fällt.
Bilal war einer von ihnen, ein Schwarzer, ein Sklave. Jetzt sagen wir ,
Bilal radiallahu anu Gott segne ihn. So sagen wir bei jedem der
Gefährten des Propheten, und an ihren Gräbern, heiligen Plätzen, werden
sie Sultan genannt. Sie waren keine Herrscher, keine Sultane, aber
Allah gab ihnen das Gewand seiner Ehre und sie wurden Sultan, Herr-
scher im ewigen Leben. Es gab welche unter ihnen, die nur ein Hemd
hatten, das ihnen nur bis zum Knie reichte, und sonst nichts; aber
sie wurden bekleidet mit der göttlichen Ehre, die unabhängig von
Uniformen und Kleidern ist.

Die anderen, die Ehrenwerten des Volkes, die Mächtigen und Reichen
der damaligen Gemeinschaft, denen Allah Ehre durch Seinen geliebten
Diener Mohammed zuteil werden ließ, die sie von sich wiesen wurden
auf schmähliche und entwürdigende Weise getötet, und zum Schluß
warf man sie in einen ausgetrockneten Brunnen. Allah nahm ihnen
Reichtum und Macht und alle scheinbare Ehre durch dieses Ende.

Die Sahabas, die Gefährten, die Schwachen, Erniedrigten wurden zu
Sultanen erhoben; Frauen ebenso wie die Männer. Ihre Gräber sind
Stätten des göttlichen Lichtes — Nur — und sie berühren die Herzen
der Menschen. Jemand, der diese Gräber besucht, kann das Leuchten
dort erleben, wie am Grab von Eyup Sultan in Istanbul, ganz in Licht
getaucht.

Wird jemand von Allah geehrt, so ist er wahrhaft ehrenhaft; wenn
Allah diese Ehre nimmt, dann kann nichts und niemand diesen Menschen
ehrenhaft machen, keine Macht und kein Reichtum.

Verlasst euch nicht auf euren Reichtum, euren Wohlstand. Die Reichen
sind oft genug arm.

Verlasst euch nicht auf eure Macht, ihr könnt schnell machtlos werden.
Verlasst euch nicht auf eure Kraft, ihr könnt schnell schwach werden.
Verlasst euch auf Nichts. Selbst wenn ihr Tausend oder Millionen
habt, die euch folgen, müßt ihr wissen, daß Allah euch die Herzen
zuwendet und ebenso kann er sie von euch abwenden und ihr werdet
alleine sein.

Verlasst euch nicht auf euer Wissen, Allah kann es euch nehmen in
einem Augenblick, und ihr werdet zu einem, der nichts mehr weiß.
Wie vielen klugen und intelligenten Menschen hat Allah den Verstand
genommen, Tausenden, und sie leben jetzt in Irrenhäusern.
Seid nicht stolz auf irgendetwas, das euch gegeben wurde von Gott
und euch sagen lässt: ,ich bin mächtig, ich bin reich, ich bin
intelligent, ich bin einer, der viel weiß, einer, der sich in den
Schriften auskennt — ich bin stark, ich bin schön‘. Sagt dies nicht,
denn ihr zeigt nichts als euren Stolz dadurch.

Der Allmächtige kann alle diese Dinge, von denen ihr meint, daß sie
euch Anerkennung und Ehre einbringen, in einem Augenblick von euch
nehmen. — Schluss damit — und wenn es nicht auf diese Weise geschieht,
so kann er jederzeit eure Seele nehmen.

Wir müssen über uns selbst ein wenig mehr lernen, denn Stolz ist
eine Krankheit, die die Menschheit zerstört, ihre Ehre zerstört.
Stolz macht die Menschen ungehorsam und der, der seinem Herrn gegen-
über ungehorsam ist, wird bestraft werden, indem Allah aus ihm einen
unehrenhaften Menschen macht.

Stolz ist eine Krankheit des Menschen des 20. Jahrhunderts, die von
einem auf den anderen übergeht. Ganze Nationen stecken sich
gegenseitig an, alle übertreffen sich im Stolz.
Das ist der Grund, weshalb die wirklichen Diener immer weniger wer-
den, mit jedem Tag; denn unsere Egos sind niemals dazu bereit. Sie
wollen niemals sagen: "Oh mein Herr, Dein Wille geschehe, Mein
Gebieter."

Dies ist der Grund, weshalb diese weit verbreitete Krankheit die Menschen
mehr und mehr ins Leid stürzt. Jeder möchte der Erste sein, an der Spitze
sein, und daß andere ihm dienen. Aus dem Grund studieren und lernen
die Menschen, weshalb sonst. Jeder möchte ein Doktor sein, ein Gelehrter.
Aber dies ändert euer Leben niemals. Unser Ego
kann sich lediglich einen Rang erwerben. Wie viele Schulen und
Universitäten gibt es, weil die Menschen alle etwas werden wollen, das
etwas darstellt. Man will ein V.I.P. sein, eine very important person
Das ist das Ziel eines jeden. Jeder trachtet danach, ein Wichtiger,
der Wichtigste zu sein. Zeigt mir den, der es nicht tut.

Wir sind nicht mit dem zufrieden, was Allah uns zugedacht hat. Wir
finden, daß es im Grunde uns nicht gemäß ist, uns, die wir doch
eigentlich etwas besseres verdienen.

Diese Einstellung, diese Krankheit ,Stolz‘ macht die Menschen ihres
Lebens überdrüssig. Sie denken nicht mehr daran, daß sie Diener sind
und daß sie für das, was Allah ihnen zudachte, ihm dankbar sein müsse
Solange wir diese Dankbarkeit nicht haben, haben wir keine Ruhe und
keinen Frieden.

Solange sich die Menschen auf diesem niedrigsten Niveau befinden,
kann es auch in der ganzen Welt keinen Frieden geben. In einer Welt,
wo jeder sich für den Wichtigsten hält und insgeheim die bedeutendste
Persönlichkeit ist, sein will, hat der Friede keinen Platz und ist
jede Friedensbewegung sinnlos.

Vor Gott sind wir alle gleich bedeutend, gleich wichtig, einer wie
der andere.

Er, der Allmächtige prüft nur, ob seine Diener ihm ergeben sind oder
nicht, und die ihm wahrhaft- ergebenen werden V.I .P., bedeutende
Persönlichkeiten in Seiner göttlichen Gegenwart.

Wir bitten ihn darum und um Verzeihung für alle Anmaßung und allen
Stolz und sagen Astafirullah


Wa min Allah at taufiq

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