Maulana Sheikh NazimVerbindung mit den Himmeln
Wer ein reines Herz hat, ist ein Heiliger, gehört zu den awliâ’. Was unser Herz verunreinigt, ist dunya, diese Welt. Sie verwandelt Herzen in Toiletten. Satan benutzt die Herzen der Menschen als Klosett. Er bringt die Sehnsucht nach der Welt ins Herz, und die Welt macht das Herz schmutzig. Und wegen der Liebe zur Welt kämpfen wir gegeneinander, um der Welt willen bringen wir uns gegenseitig um. Neid und Eifersucht, Zorn und Wut, jede Schlechtigkeit rührt daher, und wir werden zu Heuchlern um der Welt willen. Alle Schlechtigkeit entsteht um dieser Welt willen. Wenn jemand dazu fähig ist, die Liebe zur Welt aus seinem Herzen zu verbannen, dann wird er rein, und sein Herz wird rein. Gebt der Welt keinen Platz im Herzen – ihr mögt dunya in euren Händen halten, haltet die Hände weit offen, wenn jemand etwas daraus nehmen will, laßt ihn nehmen, und wenn einer etwas hineinlegen will, dann laßt ihn geben.
Ich habe neulich angeordnet, die sadaqa-Kiste offen stehen zu lassen. Wer etwas reintun will, soll geben, und wer etwas braucht, soll sich’s nehmen. Unser Zweck ist es, den Notleidenden zu stützen. Wir sind keine Inspektoren für Almosen. Warum laßt ihr zu, daß Leute die Kästen aufbrechen müssen. Laßt sie offen, jeder kann sich nehmen. Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht, doch ist dies ein traditionelle isslamisches Verfahren, das die Muslime früher praktizierten. Unsere Vorfahren hatten in ihrem Viertel offene Plätze, wohin sie nachts ihre Almosen brachten, und die Armen kamen und nahmen sich, was sie brauchten. Das Almosen, das im Verborgenen gegeben wird, beschwichtigt den Zorn Gottes. Die Armen konnten sich nehmen, und keiner erkannte sie dabei, keiner sah sie. Das ist nur eine der Schönheiten des Islam, so fein und vorsehend, so perfekt. Doch wir sind keine vollkommenen Repräsentanten des Islam. Wir sind so roh, mit unserer Grobheit schüren wir den Haß der Menschen gegen den Islam. Dabei kann man kein vollkommeneres System des Zusammenlebens finden als den Islam. Bis heute kann keiner von einer Regel des Islam sagen, sie sei gegen die Menschheit oder ungeeignet für unsere Zeit. Es ist so klar, doch die Teufel veranlassen die Nicht-Muslime, immer auf die Muslime zu schauen, dabei sind die Muslime so weit weg vom wahren Islam. Sie halten ihn nicht mit Genauigkeit ein, die meisten sind nur noch dem Namen nach Muslime. Wie viele Generationen von Muslimen es bis heute gegeben haben mag, unsere Muslime der jetzigen Zeit sind auf der untersten Ebene von allen angelangt. Schaut nicht auf sie. Der Islam selbst ist Vollkommenheit, von jeder Seite aus betrachtet.

Alles, was der Menschheit von Nutzen ist, kannst du im Islam finden. Und alles, was den Menschen physisch oder spirituell Schaden zufügen kann, ist im Islam verboten. Die besten Manieren und Umgangsformen sind im Islam gebräuchlich. Unser heiliger Prophet, Allâh segne ihn und schenke ihm Heil, sagte: „Adabani rabbi, fa ahsana tadibih.“ Mein Herr hat mich die besten Sitten gelehrt. Man kann sich kein besseres Verhalten vorstellen als seines. Allah selbst hat ihn gelehrt, und er hat ihm von allem die besten Dinge geschenkt für den Islam, für immer und für alle Nationen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre spirituellen Positionen zu verbessern. Und er hat unsere Wege zu den Himmeln geöffnet und vorgegeben. Der Islam arrangiert alles, was unser physisches Dasein betrifft, auf vollkommene Weise, doch wir sind zugleich aufgefordert, uns zu den Himmeln aufzumachen. Jede Religion verlangt von ihren Anhängern, sich den Himmeln zu nähern, und jede Religion hat bestimmte Methoden dafür mitgebracht, auf welchen Wegen man zu den Himmeln gelangen könnte. Der leichteste und schnellste Weg ist im Islam zu finden. Doch wie ich sagte, sind wir jetzt auf der untersten Stufe. Wir leugnen, daß es Wege zu den Himmeln gibt. Wir versuchen, aus dem Islam eine Religion zu machen, die sich nur mit dem Leben auf der Erde befaßt. Die falschen Wege und Richtungen verbreiten sich zunehmend und halten die umma davon ab, sich auf die Wege zu den Himmeln zu begeben. Die tarîqats, die Sufi-Orden, zeigen die Wege, wie man zu den Himmeln gelangt.

Doch die Muslime jetzt sind an nichts anderem interessiert als nur an Geld. Wenn sie jemanden sehen, der eine Gebetskette in der Hand hält, sagen sie gleich: „Laß das !“ Ihre Gebetsformel ist das Geld. Wenn wir „Allâh, Allâh, Allâh...“ sagen, sagen sie, das sei bidat oder shirk. Wenn man aber „Geld, Geld, mehr Geld...“ sagt, ist das in ihren Augen kein shirk. Ihre falschen Ideen sind in der islamischen Welt jetzt weit verbreitet, doch sie werden verlieren und sind selbst verloren, weil sie nichts haben, was sie den Herzen der Menschen geben könnten. Sie können sich nicht bewegen. Mancherorts, wenn ein Bischof stirbt, ziehen ihm seine Leute die offiziellen Kleider an, setzen ihn auf seinen Thron und setzen ihm seine Bischofskrone aufs Haupt. Einer hält seine Hand hoch, und die Leute kommen und küssen die linke Hand des Bischofs zum Abschied und gehen weiter. Der Bischof selbst ist tot, und wenn ihn nicht ein paar Leute halten würden, würde der Körper zu Boden fallen. Und so sind die Leute, die nicht an himmlische Wege glauben, sie denken, daß der Islam mit Geld allein aufrecht stehen kann, mit ihrem Erdöl. Doch die Seele des Islam ist mit den Himmeln in Verbindung, wie können sie die Menschen davon abhalten, sich zu den Himmeln zu bewegen? Wir sind keine Buddhisten und keine Hindus. Wir haben ein heiliges Buch und eine Verbindung mit den Himmeln. Warum benutzen sie nicht ihr Geld aus dem Erdöl zum Wohle und Nutzen der Muslime?
bidat: bedeutet Neuerung, wobei die erwähnten Quadratköpfe nicht einmal unterscheiden können, was eine nützliche und was abzulehnende Neuerung ist. shirk: Götzendienst, Beigesellung von anderen Göttern.

- 01.01.1992
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