Maulana Sheikh NazimEine Welt von Nullen-Sammlern
Destur ya Sayyidi, meddet ya Sultan al-awliya’, meddet ya Sultan alawliya’, shukr ya rabbi, shukr ya rabbi al-hamdu lillah, turba ya rabbi, astaghfirullah. Tariqatuna ssuhba wa l-khairu fi jam‘iyya.
Dies sagte immer Shah Naqshibandi, der unbezweifelbare Hauptpfeiler des höchst ausgezeichneten Naqshibandi-Ordens. Die Bedeutung unseres Weges ist die Versammlung mit unserem Sheikh. Was ist unser Weg? Der Weg, auf dem die Menschen wandeln – jeder kommt hinaus und nimmt seinen Weg. Bevor einer sein Haus verläßt, hat er schon entschieden, welchen Weg er einschlagen wird. Und es sollte so viele verschiedene Wege geben, wie es unserer Intelligenz entspricht. So viele Richtungen: Vielleicht fragt einer danach, nach Nikosia zu fahren, einer will nach Istanbul, einige andere nach England gehen – eine Menge Richtungen. Doch für den, der wahrhaft fragt, gibt es nur entweder den Weg zum Paradies oder den anderen, den Weg zu den Höllen. Der eine Weg, der in die Richtung des Paradieses führt, ist der Weg der Propheten, der Heiligen und der Leute des Paradieses. An einen anderen Weg denken sie nicht. Die Menschen denken nicht an den Tod oder daran, was danach geschehen wird. Sie sagen, wir interessieren uns für nichts, was außerhalb der unmittelbaren Bedürfnisse des Lebensraumes liegt, in dem wir gerade leben. Wir interessieren uns nur für das Leben, das wir anfassen, sehen oder hören können – alles, was für uns durch unsere fünf Sinne erreichbar ist. Es ist unser Hauptziel, das zu erreichen, aber jenseits dessen haben wir kein Interesse.

Und wir sind allein daran interessiert, durch unsere fünf Sinne zu unserem Ziel zu kommen. Daß es darüber hinaus etwas gibt, akzeptieren wir nicht. Diese Leute sperren sich selbst hinter die Mauern der materiellen Welt ein. Sie sind wahrhaft Gefangene, Gefangene im Gefängnis. Und das schwierigste Gefängnis ist das Gefängnis der materiellen Welt. Solange wir in der materiellen Welt sind und versuchen, sie so viel wie möglich zu erweitern, sind wir doch gefangen durch die schweren Bürden der materiellen Welt. Selbst wenn euch die ganze Welt mit ihren Reichtümern gegeben würde oder außer dieser Welt Hunderte von Welten, Tausende von Welten, Millionen von Welten, Milliarden von Welten, um so mehr wäret ihr durch die Größe der materiellen Welt gefangen.

Das ist ein seltsames Gleichgewicht, daß, je mehr ihr der materiellen Welt nachlauft und sie vergrößert, milliardenfach, trilliardenfach, euer Gefängnis um so enger wird und nur um so schwerere Lasten auf euch kommen – weil ihr das Ausmaß der materiellen Welt durch euer materielles Sein nicht erreichen könnt. Denn das ist unmöglich. Deshalb soll der Mensch glücklich sein, wenn seine materielle Welt kleiner ist, dann wird er mehr Freude daran haben. Doch je größer und weiter sie wird, um so mehr verlieren die Menschen Freude und Zufriedenheit mit ihrer materiellen Welt. Versteht ihr? Und die Menschen fallen in eine tiefe Dunkelheit, wenn sie das nicht verstehen. Sie denken, wenn sie ihre materielle Welt mehr und mehr, größer und größer werden lassen, daß sie dann viel glücklicher und zufriedener sein werden. Das wird niemals sein. Denn ihr physisches Sein kann die Größe der Welten nicht erreichen. Ihr spirituelles Sein aber ist etwas anderes. Ungeachtet unseres physischen Seins ist unser spirituelles Sein so, daß je mehr ihm von der himmlischen Welt gewährt wird, es sie erreichen wird. Und die himmlischen Gewährungen von Allah dem Allmächtigen geben unserem spirituellen Sein viel mehr Freude.

Deshalb erbittet unser spirituelles Wesen Allah den Allmächtigen: „O unser Herr, wir bitten um mehr!“ Sie bitten um mehr. Und die völlige Dummheit der Menschen des 20. Jahrhunderts liegt darin, daß sie diese Weisheit nicht verstehen. Jeder läuft, um viel mehr von der materiellen Welt zu erreichen. Und das ist ihr Abschluß. Ende. Ende, sie enden. Und alle spirituell autorisierten Leute, bekleidet mit himmlischer Macht, rufen die Menschen auf und sagen: „Laßt die materielle Welt und kommt zur spirituellen Welt! Nehmt von eurer materiellen Welt soviel ihr braucht, nehmt nicht mehr, nehmt nicht mehr. Aber was eure Seele angeht, fragt nach mehr und mehr, viel mehr.“ Das ist der Punkt, wo die Wege der Menschen sich trennen.

Und wie Shah Naqshband sagt, tariqatuna ssohba, unser Weg ist es, die Menschen zu himmlischen Schätzen, himmlischen Freuden, himmlischen Begünstigungen, himmlischen Gewährungen, himmlischem Segen Eures Herrn aufzurufen. Die Menschen von ihrem ersten Weg wegzurufen, auf dem sie der materiellen Welt hinterherlaufen, um immer mehr Nullen zu machen. Eine Null gleich zehn, zwei Nullen gleich hundert, drei Nullen – tausend, vier Nullen – zehntausend, fünf Nullen – hunderttausend, sechs Nullen – eine Million, sieben Nullen – zehn Millionen, acht Nullen – hundert Millionen, neun Nullen – eine Milliarde. Die Leute fragen nach mehr Nullen, laufen der Null hinterher, die ganze Menschheit läuft der Null hinterher, um selber mehr Null zu sein. Deshalb bewahren sie ihre Nullen, daß sie nicht eine verlieren. Damit nicht aus tausend hundert wird oder aus zehntausend eintausend, aus einer Million hunderttausend oder aus zehn Millionen eine Million oder aus hundert Millionen zehn Millionen oder aus einer Milliarde hundert Millionen. Der Mensch muß viel mehr Nullen anhäufen: Null, Null, Null. Und Shah Naqshband kannte das Geheimnis der Null (ha, ha!), das Geheimnis der Null! Und er rief die Leute dazu auf, zu unserem Weg zu kommen.

Damit sie viel glücklicher wären und keine Bürde auf ihnen lastete. Denn jede neue Null häuft eine neue Last auf dich und verhindert, daß du mehr Freude genießt. Masha’allah, Shah Naqshband Hazretleri, diese Weisheit gab der den Menschen. Es ist zur Ehre von Sheikh Hisham Hazretleri, diese Weisheit reicht für die Menschen der ganzen Welt. Und sie bringt den Menschen Frieden und bringt absoluten Frieden in jeden Winkel und auf jeden Stock, über den die Menschen ihren Fuß setzen. Die Menschen aber meinen immer, sie müßten kämpfen, und so werden sie Bitterkeit schmekken. Tag für Tag wird ihr Leben bitterer sein. Jene Leute, die daran gehindert werden, mehr von der materiellen Welt zu erreichen und es trotzdem versuchen, deren Leben wird immer bitter sein. Wer mehr als genug von der materiellen Welt erreicht und danach strebt, noch mehr davon einzufangen, dem geht es ebenso: sein Leben wird so bitter sein, denn die Wünsche seines Egos oder seiner physischen Begierden kennen keine Grenzen.

Wenn du deinem physischen Wesen zehn Nullen gibst, wird es nicht glücklich sein, denn es möchte gern elf Nullen haben. Gibst du ihm elf Nullen und fragst es, so ist es unglücklich, denn es möchte gern, daß ihm zwölf Nullen gehören. Gewährst du ihm zwölf Nullen, wird es traurig sein, denn es möchte dreizehn Nullen. Werden ihm dreizehn gegeben, fragt es nach vierzehn, erreicht es vierzehn, fragt es nach fünfzehn. Erreicht er fünfzehn, möchte es sechzehn Nullen. Niemals wird es glücklich sein, sondern immer betrübt: „Warum erreiche ich nicht siebzehn Nullen? Warum werden meine Nullen nicht achtzehn an der Zahl? Warum nicht zwanzig – dreißig?“ Immer ist es traurig. Deshalb sagte der Prophet (s.a.s.): „Nimm von der Welt so viel wie für dich genug ist und lasse, was darüber hinausgeht.“ Kommt mehr zu dir, berühre es nicht, berührst du es, verbrennst du dich. Du verbrennst dich an einem Feuer ohne Flammen. Du verbrennst dich an einem flammenlosen Feuer. Nimm deshalb nur, was du brauchst, und lasse, was übrigbleibt. Nimm nicht mehr als das, was du brauchst. Auch die Araber müssen das lernen. Aber sie lernen das niemals – Ende, khalas. Allah allah, allah allah, allah allah, karim allah, allah allah, allah allah, allah allah, subhan allah, allah allah, allah allah, allah allah, sultan allah, ya rabbi ya allah ... Fatiha.
Lefke - 16.02.2000
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