Maulana Sheikh NazimDer Wert der Zeit
Wenn alle Nationen alle Macht, alle Reichen alle Schätze zusammentun würden, wäre es ihnen nicht möglich, eine Sekunde ihres Lebens zurückzubringen, und die Leute verschwenden ihre Zeit und fragen nur danach, wie sie sie noch besser verschwenden können. Die Leute, die sich in einer Depression befinden, versuchen ihre Zeit schnell zu vertreiben. Sie denken, daß die Zeit stillsteht, und das bedrückt sie. Sie sagen, die Zeit vergeht nicht. Sie wollen, daß ihre Zeit schnell vergeht, weil sie depressiv sind. Die Leute, die nicht beschäftigt sind, fallen in Schwierigkeiten. Sie wollen auch, daß die Zeit schnell vergeht. Dann fühlen sie Ruhe in sich. Doch das ist dumm, denn das teuerste Ding im Leben, das wertvollste Juwel ist die Zeit. Selbst wenn du Schätze voll Diamanten gibst, kannst du keine einzige Sekunde zurückbringen. Wie kannst du wollen, daß die Zeit so schnell vergeht.
Es ist eine Regel bei der Naqshibandi-Tariqat, daß der Wert einer Person gleich dem ist, was sie der Zeit für einen Wert gibt. Der Wert der Zeit ist gleich dem Wert dessen, der sie benutzt. Wenn du willst, daß die Zeit schnell vergeht, hast du keinen Wert. Dann ist es für dich besser, unter der Erde zu sein, als auf ihr. So viel Wert, wie du der Zeit gibst, bekommst du an Wert hier und im nächsten Leben. Wenn du deiner Zeit Wert beimißt, bist du wertvoll. Wenn du jede Sekunde als einen gigantischen Schatz ansiehst, so ist es für dich ein Pluspunkt in der Schöpfung und in der göttlichen Gegenwart. Der Murid ist ein Mann, der seine Zeit jeden Moment oder jede Stunde oder jeden Tag gut bewahrt und nie will, daß sie verschwendet wird. Jedesmal, wenn du ihn beobachtest, siehst du ihn den Moment fangen und halten, nie läßt er den augenblicklichen Momenet ungenützt verstreichen. Du wirst ihn nie unbeschäftigt finden. Tag und Nacht ist er mit etwas Nützlichem beschäftigt. Nie ist er bei nutzlosen Aktionen oder Absichten zu finden, er ist nie mit nutzlosen Aktivitäten beschäftigt. Wenn er sich so kontrollieren kann, hat der Murid Perfektion erreicht. Denn dann weiß er, was er tun muß oder tun wird. Er ist nie blind, sondern hat immer die Augen offen. Er schaut, was auf ihn zukommt in Zeit und Raum. Er webt Zeit und Raum ineinander. Er verschwendet nie seine Energie, ohne Zeit und Raum mit ihr zu verweben, und immer bringt er nützliche Aktivitäten hervor. Großscheich sagte immer: "Oh Leute, schaut auf eure Tage, mit was ihr sie füllt! Webt ihr mit Zeit und Raum und hinterlaßt ein exzellentes Werk?" Vor unserer Zeit trachteten die Leute danach, ein Gewebe aus Zeit und Raum zu machen, um etwas zu schaffen, das mit ihnen in diesem und im nächsten Leben sein würde. Die größte Sünde ist es, seine Energie zu verschwenden, faul zu sein, nicht energiegeladen zu sein. Für Muride ist das die größte Sünde.
Die Leute laufen vor Tariqats davon, denn die Tariqat läßt dem Ego keine Chance. Das Ego läuft davon und kann keine guten Dinge tun. Das Ego will immer deine Zeit und deine Energie verschwenden. Alle Propheten drängen die Leute, ihr Bestes zu tun. Das ist das Beste für einen Menschen, das Beste zu tun. Ein Sufi muß zuerst versuchen, seine Energie zu halten und nicht, sie zu verschwenden. Jetzt seid ihr jung, euer Gefühl sagt euch, daß ihr so energiegeladen seid. Euer Ego mag euch befehlen, eure Energie zu gebrauchen - grenzenlos. Wenn du sie dann vergeudet hast, gemäß dem Drang der Begierden, zerstört dich das schließlich. Du kannst es nicht aufhalten. So schnell verlierst du all deine Energie in einer unerwartet kurzen Zeit. Die meisten Leute beklagen sich über Krankheit und Armut: "Oh Scheich, hilf mir." Doch ihre physischen Kräfte sind am Boden, zu Ende. Es ist so schwierig und braucht die Kraft der Propheten, um ihnen zu helfen. Auf halben Wege fallen sie zusammen. Sie beenden nicht den Kreis, der für sie bestimmt ist. Deshalb müssen wir unsere Willenskraft gebrauchen. Schritt für Schritt kannst du fähig werden, dieses Ego zu kontrollieren. Es ist wichtig, über die Zeit Bescheid zu wissen, sie nicht zu verschwenden und zu wissen, von wo die Energie kommt, und wie man mit ihr umgehen muß, damit sie nicht verschwindet, und man ohne Kraft und Willen bleibt und ohne Sehnsucht - wie ein Baum. Wir müssen versuchen, jeden Moment lebendig zu machen, wenn wir es nicht vermögen, Zeit und Raum zu benutzen.

- 01.01.1987
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