Maulana Sheikh NazimDer Wert des Goldes


Schon wieder sind wir dem Jenseits einen Tag nähergerückt. Die Menschen laufen der Welt nach, doch die Welt läuft vor uns weg, das Jenseits aber auf uns zu. Möge Allah in uns die Liebe zum Jenseits erwecken! (Amin).Wer mit der Dunya läuft, geht mit Shaitan, wer sich ans Jenseits hält,ist mit Allah. Die Dunya gehört Shaitan, sie macht groß Reklame, überall hängen ihre Tafeln: "O ihr Menschen, strebt nach dieser Welt, sie ist für euch, ich habe sie für euch geschmückt und ausgestattet! Kommt nur, dieWelt gehört euch, schaut, was da für euch bereitliegt, rennt nicht nachVerlorenem, schaut nur auf das, was euch vor Augen liegt!„ Shaitan veranstaltet eine große Reklameaktion, um seine Waren zuverkaufen. Der an dieser Welt trunkene Mensch sagt: "Da ist noch eineandere (Art von) Dunya, die will ich haben, der lauf ich nach, gleich hab ich sie!„ Wir fragen ihn: "Na, hast du sie eingefangen?„ Er sagt: "Ja, fast, gleich bin ich dran, gleich hab ich sie; morgen versuch ich‚s nochmal, gestern hat‚s nicht ganz geklappt, da ist sie mir entschlüpft, morgen früh versuch ich‚s nochmal.„ Morgen abend fragen wir ihn: "Hast du sie nun erhascht?„ "Gerad hat‚ ich sie am Schwanz gepackt, da ist sie mir entwischt, dann wurde es Nacht, ich konnte nichts mehr sehen, da ist sie entkommen. Wenn es wieder Tag wird und die Sonne aufgeht, dann seh ich, wo sie sich versteckt hat ach, so was ganz Schönes, gerade wollt‚ ich zupacken, da war sie schwupp weg!„ "Wie lang machst du das schon so, einen Tag oder zwei?„ "Wie bitte? Das mache ich schon viele Jahre lang! Jedesmal bin ich fast dran, da entwischt es mir, glückloser Mensch, der ich bin immer bin ich kurz davor, und dann war‚s wieder nichts!„


"Wa l-akhiratu khairun wa abqa„ "Das Jenseits ist besser und beständiger„, sagt Allah. Die diesseitige Welt ist vergänglich, das Jenseits aber ewig bestehend. Wer das Vergängliche dem Ewig-Bestehenden vorzieht, hat keinen Verstand. Der ist glücklich zu nennen, der das, was ihm von dieser Welt zufällt, nicht für sein Ego (niedere, eigensüchtige Bedürfnisse) verwendet, sondern für das Jenseits. Er verwendet es, um im Jenseits ewige Güter zu erwerben, er gibt von dieser Welt um des Jenseits willen. Gebt von der Dunya und empfangt das Jenseits! Wenn ihr nicht von dieser Dunya hergebt, dann könnt ihr nichts vom Jenseits empfangen! Wie soll man von der Dunya geben? Auf dem Wege Allahs. Für Allah, um Allahs willen. Dann empfangt ihr Gottes Lohn im Jenseits. Wer nur für sein Nafs ausgibt, der hat bald nichts mehr, und es kommt nichts nach. Im Jenseits werdet ihr dann hungern.


"O ihr Menschen! Shaitan ist der größte Verführer, hütet euch!„ spricht Allah. Gebraucht den Verstand! Wer seinen Verstand gebraucht, der rettet sich, wer ihn nicht gebraucht, der verliert alles! Ein Dieb, der in ein Haus einbricht, versucht nicht, die großen Gegenstände mitzunehmen, wie Tisch, Betten und Schränke, sondern er sucht nach kleinen Dingen von großem Wert, Schmuck, Geld, Preziosen, von großem Wert und kleinem Gewicht. Einem Ring, der vielleicht mehr wert ist als die ganze Wohnungseinrichtung. Der Dieb ist schlau er belädt keinen Möbelwagen voll gestohlener Ware, er fülltnur seine Taschen. Er sucht und flucht dabei: Verflixt, wo ist nur das wertvolle Zeug, dieser Plunder taugt ja nix, lohnt nicht, ihn fortzuschleppen...


Und was ist mir dir, o Mensch und Muslim? Du glaubst doch ans Jenseits? Wir sind hier alle Menschen und alle Muslime, und wir glauben ans Jenseits. Was mühen wir uns also ab um die gefüllten Kästen dieser Dunya? Einräumen, ausräumen, aufhängen, abhängen, neuanfertigen wozu? Diese Welt ist voll solcher Dinge wie Betten, Tische, Stühle...


Ich hörte unlängst eine neue Nachricht: In Amerika beginnt man jetzt, Dollar gegen Gold einzutauschen. Warum? Weil alle befürchten, daß bald ihr Papiergeld wertlos wird. Die Regierung warnt schon, daß in einem Jahr, (ab September 99) die Computer versagen werden und dann keiner mehr an sein Bankkonto herankommt. Keiner kann sein Geld mehr zählen oder abheben alles aus, basta. Drum, nimm‚s und steck‚s lieber unters Kopfkissen oder in die Matratze oder tausch es in Gold um, steck‚s in einen Blechtopf und vergrab‚s im Garten, dann stellst du einen Grabstein darauf und sagst, du hast deinen seligen Großvater hergebracht und darunter bestattet. Dann gräbt keiner nach (wenn‚s ein altes Grab wäre, würde S. es ja aufbuddeln, aber so...). Es ist ein neues Grab, das niemanden interessiert. Also, Gold. Häuser, Immobilien taugen nicht, weil sie nicht transportabel sind, auch wenn du eine Urkunde hast. Wenn du kein Papier darüber hast, ist es sowieso hoffnunglos. Wenn es also dir gehört, na, dann trag soviel davon fort,wie du nur kannst...Wir glauben doch an das Jenseits, oder? Wenn wir daran glauben, dann müssen wir bemüht sein, hier zusammenzutragen, was wir nach dorthin mitnehmen können. Der Besitz dieser Welt verbleibt in dieser Welt (alle Tische,Betten, Schränke...); versuche also zu mehren, was einen hohen Wert hat und wenig wiegt. Es taugt jetzt nichts, Papiergeld anzuhäufen, 100 $-Scheine, 1000 $-Scheine wer sich damit abgibt, der läuft Gefahr, daß eines Tages einfach alles weg, gleich null, wertlos geworden ist.

Aber Gold das verliert niemals seinen Wert. Niemals. Zu keiner Zeit, an keinem Ort. Wo gibt es eine Maschine, die Gold auf seine Echtheit untersucht? Aber es gibt vieleLeute, die erkennen Gold am Klang wenn man ein Stück Gold auf einen Marmorstein fallen läßt, hört man einen Ton, den nur Gold abgibt , und viele können daraus auch den Karatanteil bestimmen. Es gibt für das menschliche Ohr keinen schöneren Klang als das Klingeln von Gold, nichts kommt an diesen Klang heran, denn es ist der König unter den Metallen. Als unser Urvater Adam, der Friede sei auf ihm, aus dem Paradies verstoßen wurde, da weinten alle Metalle, außer dem Gold und dem Silber, die zeigten für den Propheten Adam keinerlei Bedauern. Alle anderen waren um ihn betrübt und trauerten mit ihm, nur diese beiden zeigten kein Gefühl für ihn. Sie wurden gefragt, warum sie ihn nicht bedauerten, da sagten sie: "Er war ungehorsam gegen den Herrn der Welten, drum ist es unnötig, ihn zu bedauern.„ Aus diesem Grunde verlieh der Herr dem Silber und dem Gold einen solchen Wert. Zu welcher Zeit, an welchem Ort, unter welchem Volk es auch sei, der Wert von Silber oder Gold ändert sich nicht, fällt nicht ab. Warum, K., solltest du dann nicht aus Silber oder Gold sein?

Ein Prophetenwort sagt: "An-nâsu ka l-mâŒadin.„ "Die Menschen sind wie die Metalle„. Wie es Gold und Silber und Kupfer gibt, so gibt es auch Menschen jeglicher Sorte, gibt es auch Menschen, die Goldwert haben, dann solche, die Silber-, Kupfer-, Eisen-, Blechwert haben. Gold fault nicht, rostet nicht hat man schon einmal gehört, daß Gold rostet? Auch nach Millionen von Jahren bleibt Gold als Gold erhalten Gold vergeht nicht. So ist es auch mit den Menschen, die Goldwert haben: Auch sie faulen nicht. Dies sind die Propheten und Heiligen, selbst wenn sie zehntausend Jahre in der Erde liegen, verwesen sie nicht, wie das Gold. Solche, die den Wert von Blech haben, fangen nach ein paar Jahren an zu rosten und werden, wie auch Blech selbst, wieder zu Erde. Der Mensch liebt aber das Silber und das Gold, weil er weiß, daß sie nicht an Wert verlieren, daß sie unerreicht sind. Das Fallen und Steigen der Aktien an der Börse ist nur ein Spiel, das zählt nicht, weil sie mit Papieren spielen. Wenn das Gold steigt, fallen die Aktien, aber Gold behält immer seinen Wert. Wenn du also dein Leben in dieser Welt darauf verwendest, Papiergeld anzuhäufen, bedeutet das, daß dein Verstand schwach ist, denn Papiergeld kann an einem Tag, über Nacht seinen Wert verlieren. Plötzlich heißt es eines Morgens: Das bisher gültige Geld ist heute nicht mehr gültig. Du kannst dann nichts mehr dafür kaufen und nichts davon verkaufen; wie anders, wenn du Gold hast. Darum gleicht alles, was du für diese Welt erwirbst, dem Papiergeld, das du anhäufst. Und was du für das Jenseits vorbereitest, gleicht dem Gold und dem Silber. Wenn man dich mit Gold und Silber zusammen ins Grab legt, werden diese noch am Jüngsten Tag bei dir sein, sie verwesen nicht; legt man dir aber Papiergeld hinein, so ist dies am nächsten Tag schon verfault.

Wichtig daran ist, zu verstehen, daß ein verstandesbegabter Mensch nicht Dingen hinterherläuft, die vergehen und verrotten, sondern Dinge sucht, die unvergänglich und ewig sind und die Bestand haben. Des Gläubigen Handeln ist fest begründet, er sagt: "Ich suche nach Gold, ich suche Diamanten, Rubine, das ist meine Sache vielleicht finde ich einen Rubin, damit bin ich fürs ganze Leben versorgt; vielleicht finde ich einen Brillianten, so ein Schatz reicht mir bis zum Ende der Welt.„ Die Welt steuert gerade auf den Nullpunkt zu, man zählt rückwärts auf Null zu, auf die letzte Station zu. Das Jenseits kommt uns von Tag zu Tag näher, die letzte Station der diesseitigen Welt ist der Beginn der Jenseitigen. Sobald du den ersten Schritt ins Jenseits tust, wirst du gefragt werden: "Was hast du von hier an Gold und Silber mitgebracht? Was hast du an Taten vollbracht, die dir hier im Jenseits nutzen?„ Dies ist die Propaganda, die wir der Propaganda des Teufels entgegensetzen, Shaitan will euch betrügen, wir aber wollen die Wahrheit sagen. Doch die Menschen von schwachem Verstand lassen sich von Shaitan irreführen und hören nicht auf die Wahrheit. Bemüht euch stärker um das Jenseits, denn die Entfernung bis dahin ist geringer geworden.

Soweit wir wissen, wird das einundzwanzigste Jahrhundert nicht vollendet werden, das zweiundzwanzigste Jahrhundert wird es nicht geben. Ein jeder suche für sich das zu holen, was festen Bestand hat, er verschwende sich nicht im Streben nach dieser Welt, die zugrunde gehen wird. Denn die Welt strebt dem Nullpunkt zu, und das Jenseits wird beginnen. Es geht auf die Ewigkeit zu. Man spricht von Wegkreuzungen: Die Wege laufen an einem Punkt zusammen, dem Nullpunkt, dann weiten sie sich und laufen wieder auseinander. Wir sind hier, nahe dem Nullpunkt, der Kreuzung. Wenn wir den Nullpunkt überwunden haben, weitet es sich wieder, bis in alle Ewigkeit. Jetzt schließt sich alles um uns, wir laufen wie von draußen nach drinnen hinein. Langsam zieht sich die Weite des Da-draußen immer mehr zusammen, Stück für Stück wird es langsam immer enger, bis wir am Nullpunkt angekommen sind. Doch wenn wir diesen überschritten haben, beginnt es sich wieder auszuweiten, in alle Ewigkeit, nie wieder wird es dann einen Nullpunkt geben. In mathematischen Worten ausgedrückt: Man stelle sich ein X vor, die Linien laufen zusammen, kreuzen sich am Nullpunkt und laufen dann ins Unendliche auseinander. Darum sprechen wir von der Ewigkeit, der Unendlichkeit. Darin gibt es kein Ende, keinen Nullpunkt. Hier erreichen wir nach dreißig,vierzig, hundert Jahren den Nullpunkt, wenn wir den jedoch überschritten haben und auf der anderen Seite weitergehen, dann geht es ewig, unendlich weiter, nichts hält mehr auf, nichts hält zurück. So lehrt uns Allah der Erhabene, das Leben in dieser Welt geht zu Ende, und wenn ihr diesen letzten Punkt in dieser Welt hinter euch gelassen habt, dann geht es hinein ins ewige Leben, in die Unendlichkeit.

So ist die Bedeutung von "kullu nafsin dhaiqatu l-maut„, "jede Seele wird den Tod kosten„, daß jede Existenz auf Null gebracht werden wird danach beginnt das jenseitige Leben. Da gibt es kein Gedränge, keine Enge, kein Hindernis: Es geht weiter und weiter bis in alle Ewigkeit, Endlosigkeit. Ebedi, sermedi "Sermedi„ ist eine Steigerung von "Ebedi„, beides heißt "Ewigkeit„. Wir schreiten ewig weiter, darum fürchtet euch nicht vor dem Tod. Denn du gehst auf einen Nullpunkt zu, den du überquerst, wonach sich vor dir alle Ewigkeit auftut und weitet. Aber an diesem Punkt müssen wir natürlich vorbei, darum heißt es, "Jede Seele wird den Tod kosten„, d. h. an den Nullpunkt gelangen. Dort ist nichts: Null, keine Anhäufung, das ist die Bedeutung von Null. Danach erst kommt die Öffnung, die Weitung. Allâh, Allâh... Auf jener Seite werdet ihr das ewige Königreich erleben, das unendliche Reich Allahs.Wir sind in nur einem kleinen Punkt von ihm enthalten. Dort werden wir die Herrlichkeit eines einzigen Punktes in Seinem Ewigen Reich erkennen, und wir werden Ihn in seiner unermeßlichen Weite nicht erfassen, nicht messen können. Die Majestät Allahs, das Entstehen Seiner Größe keiner kann es begreifen, unmöglich verstehen. Er wird dir die unfaßbare Größe zeigen, die einem winzigen Korn Seines Reiches innewohnt, und dich in diese Unendlichkeit eintauchen lassen. Allah, Allah ... Allâhu Akbar.

Lefke, 14.10.1998


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